Fotografische Sprachhygiene

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Wie gut, dass endlich das unsägliche „Photoshooting“ und die grenzdebile Form „Fotoshooting“ in das Denglish-Gruselkabinett Einzug gehalten hat. Besonders krank ist m.E. die Variante „Hochzeits-Shooting“, welche permanent von Fotografen-Wannabies wie eine Monstranz der Blödheit vor sich her getragen wird. LINK

Wenn ich Shooting höre, dann sehe ich vor meinem inneren Auge eine gemeuchelte Hochzeitsgesellschaft und bluttriefende Hochzeitskleider. Selbstredend, dass nach dem Massaker die Bodies (oder Bodys) in Bodybags zum Public Viewing gekarrt werden. Über Babyshooting oder Schwangerschaftsshooting mag ich schon gar nicht mehr nachdenken ...

Warum verwendet der dummdoofe Fotograf diese Falschen Freunde? Meine Vermutung ist, dass das passendere „Auftrag“ in den meisten Fällen eben doch nicht passt. Einen Auftrag eine Hochzeit zu fotografieren, zu haben, bedeutet nämlich auch, dass dies ein Job ist, der bezahlt wird. „Shooting“ wird gerne dann verwendet, wenn es mit einem Auftrag nicht weit her ist ... und mit Bezahlung schon mal gar nicht. Nach meiner Erfahrung deutet die Verwendung von „Shooting“ auf reines Hobbytum hin. Passend - und nur schwer zu toppen - ist dann das TFP-Shootingcool

Während Shooting (Schießerei, Amoklauf) genau wie Body (Leiche, statt Bodysuit), Bodybag (Leichensack) und Public Viewing (öffentliche Leichenschau) u.U. einen gewissen morbiden Humor der dafuer verantwortlichen Werbeagenturen vermuten lassen, sind in der Fotografie noch eine Anzahl weiterer und deutlich humorlosere Falsche Freunde am Start.

Richtig übel ist z.B. der Crop-Faktor (Schnitt-Faktor). Eingeführt wurde er mit der Digitalfotografie, also ab dem Moment, wo man meinte, dass die Grundlagen der Fotografie ab sofort unnützes Wissen sei. Zur Zeiten der analogen Fotografie, also bis ca. 2000, war der Markt voll mit diversen Filmformaten. Die Hinrechnerei auf das Kleinbildformat mit allen zugehörigen Unterlassungen, war schlichtweg nicht notwendig und wäre auch niemandem in den Sinn gekommen. Nachdem Canon den Kampfbegriff Vollformat (Full Frame) vom Stapel gelassen hat, mussten sich nun alle kleineren Formate irgendwie hincroppen lassen. Nun gibt es aber auch heute Formate größer KB. Für die müsste man was Neues erfinden ... letztlich ist der Begriff irreführend und das Internet ist voll von abenteuerlichen Erklärungen, was sich nun alles mit Cropfaktoren berechnen lassen soll. Hint: Bildkreis/ Bildwinkel und Sensor-Diagonale reichen völlig aus.

Ein weiterer sprachlicher Tiefschlag aus dem Zoo fotografischer Sprachverwirrungen ist das Subject/Subjekt, wenn man Motiv meint. Das ist natürlich ein waschechter Falscher Freund. Wie immer bei der Verwendung von FF, liegt die Konfusion nicht weit. Gehört zum Motiv unter anderem eine Person oder gar mehrere, dann ist das Chaos perfekt. Der Begriff funktioniert nur dann leidlich im Deutschen, wenn Motiv und eine Person 100% Deckungsgleich sind. Tut es aber trotzdem nicht, da der Sound nicht stimmt. Eine lebendige Person mit Subjekt zu bezeichnen ist reichlich meh und unhöflich. Was bleibt? Die Verwendung von Subjekt in der Fotografie in der deutschen Sprache ist mieser Stil.

Wer weitere Sprachverwirrungen aus dem Bereich der Fotografie kennt, bitte in die Kommentare schreiben. Als passionierter Oxymoron-Sammler bin ich natuerlich besonders an diesen oder auch an astreinen Pleonasmen interessiert.

X-Ray Nightmare - Analoge Fotografie auf Reisen.

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Wer viel reist, der hat was zu erzählen. Flugzeug- bzw. Flughafen-Anekdoten sind in Reiseerzählungen besonders populär. Und je weiter die Reise weg führt, bzw. je ungewöhnlicher die Final Destination ist, desto mehr wird auch vom Pferd erzählt. Wie Marco Polo schon vorführte, kann man damit sogar berühmt und reich werden. Viele der angeblichen Fakten halten bei genauerer Betrachtung nicht eine Sekunde einer einfachen Überprüfung stand. Müssen sie ja auch nicht. Schließlich sollen diese Anekdoten unterhalten. ...

Funktioniert Handyfotografie? Huawei P10+

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Zu meiner letzten US-Reise habe ich mich entschlossen kein digitales Kamerageraffel mitzuschleppen. Zwar war ich nicht nur privat dort, aber ich hatte keinen Fotoauftrag. Da lag es natürlich nahe, mein Gepäck abzuspecken. Zumal die Einreisebedingungen für Kameras, Batterien usw. immer unklarer werden. Ich hatte wenig Lust, wertvolle Lebenszeit bei irgendwelchen Security-Checks zu verschwenden. Ganz konnte und wollte ich die Fotografiererei nicht lassen und habe einen einfachen Klappfalter (Isolette III Mk II, Solinar 3.5/75mm) und natürlich ein Smartphone dabei gehabt.

Capture One Pro & Windows - geht das?

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Schon seit einiger Zeit beschäftigt mich der Gedanke, wie Windows zusammen mit COP bzw. ganz allgemein im Fotojournalistenalltag funktioniert. Ich will nicht lange auf die Gründe für diese Idee eingehen. Jeder, der beruflich mit Apple zu tun hat, der kennt die Motivationen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, wenn es um Investitionen in einer Firma geht, persönliche Präferenzen zurückzustellen. Und genaugenommen betrifft das nicht nur geschäftliche Ausgaben. Um es vorwegzunehmen, diese geforderte Unvoreingenommenheit ist mir zuweilen sehr schwer gefallen. Aber Win10 macht es einem ja auch nicht einfach. Nicht so sehr wegen der Dinge, auf die es letztlich ankommt, sondern vor allem des Äußeren wegen. Man mag mir verzeihen, aber im Vergleich zu macOS ist Win10 nun mal potthässlich. Besonders nervend finde ich die Platzverschwendung durch den Fenster-Manager bzw. das aktuelle Fensterdesign. Wobei „Design“ hier ein unzweifelhafter Euphemismus ist. ...

Styles: Reich werden mit Capture One Pro?

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Seit einiger Zeit werden aus allen möglichen (und unmöglichen) Quellen Styles und Presets für verschiedene EBV angeboten. Natürlich auch für Capture One Pro.

PhaseOne selbst bietet diese Möglichkeit seit kurzem ebenfalls an. Was eine gute Sache ist. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass fast jeder Style auch immer ein wenig Nachschliff benötigt. Wer sich nun verschiedene Pakete zusammenkauft, aber keine Ahnung hat, wie er die einsetzt und verändert, wirft Geld zum Fenster heraus.

In diesem Tutorial zeige ich, wie man sich einen CYANOTYPIE- Style mit etwas Theorie überlegt und dann in Capture One Pro zusammenbaut. Das ganze geht schneller, als die meisten Leute denken. Styles bauen kann jeder – reich wird man damit allerdings nur, wenn man genuegend Leute findet, die keine Zeit und zuviel Geld haben ... ;-)

Den besprochenen cyanotype.costyle kann man im DCOPUG-Forum herunterladen.

Godwins Law der Fotografie

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Jeder kennt die Szene. In einem Forum, am Stammtisch ... streiten sich zwei Parteien ungefähr so: »Nikon ist die Beste!«, sagt der eine Fotograf; »Nein, Canon!«, der andere. Und dann weiter, »Nikon, Nikon, Nikon – Scumbag!« – »Canon Rulez! nene ne ne nene«. Gelegentlich werden sogar Argumente ausgetauscht, »Meine hat kein' Spiegel«, »Mein Farbstich ist schoener«, »Mein Sound ist cooler.« ... Es kommt auch fast immer ein Citroen-Fahrer lang und verkündet lässig im Hanfleinen-Sakko, »Also meine Hassi[1] und ich ...«.

Nach einer Weile wird es den Streithammeln (und dem Publikum sowieso) langweilig und dann passiert das Erstaunliche: Jemand verkündet die Gute Nachricht: »Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.« Hosianna! Alles entspannt sich. Der Frieden ist gesichert ... und oft endet auch die Diskussion.  [...]

Analogue Planet

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(Neu! Der Artikel kann auch in Magazinform als PDF heruntergeladen werden: Download. Mehr Infos, mehr Bilder ...)

Ich hatte vor einigen Jahren einen Artikel für den Fotoespresso über die Firma CHAMONIX Camera Co.,Ltd. und ihren CEO Yu Xiang geschrieben. Zu jener Zeit gewann der Analog-Hype gerade an Fahrt. Die Firma CHAMONIX war seinerzeit nur Eingeweihten ein Begriff und Großformat galt als hoffnungslos exotisch.

Was bisher geschah ...

Mittlerweile sprechen Optimisten von einer Renaissance der Analogfotografie. Ob und wie sich dieser Trend fortsetzen wird, steht in den Sternen. Doch sicher ist, dass die analoge Fotografie einen Platz erobert hat, den sie dauerhaft innehaben kann. Denn es geht dabei gar nicht um das »analoge« Herstellungsverfahren bzw. das Medium selbst, sondern das »Analog« steht als eine Metapher für »Contemporary (and Individual) Photography« im Gegensatz zum Zeitalter der »Documentary (and Fast) Photography«, welches wir gerade hinter uns gelassen haben. (Ich nenne den Counterpart »Contemporary«, um diesen vermaledeiten Kunstbegriff zu umgehen, der alles nur komplizierter macht.) ...