Lightroom 5.5 ist draussen - Uuhh ...

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

Ich gehoere ja zu den Capture One Pro Usern, die sich in der Vergangenheit immer mal Lightroom parallel installiert haben. Ich wollte immer mal nachschauen, was die so machen. Ganz frueher, so bis Ver. 4, hab ich Lightroom sogar parallel zu Capture One Pro (fuer die Verschlagwortung) benutzt.

Aber was Adobe da jetzt abgeliefert hat, das rechtfertigt meiner Meinung nicht nur keinen echten Versionssprung, sondern ist insgesamt peinlich. 5.5 ist mehr als angemessen. Ich werde mich nun endgueltig von Lightroom verabschieden. Lightroom ist fuer mich keine Alternative mehr, die es weiter lohnt beobachtet zu werden. Adobes Route ist klar und das ist nunmal nicht meine ...

Hier die neuen Features von Lightroom im Einzelnen:

Lightroom 6

CaptureOnePro

pers. Nuetzlichkeit

HDR Merge

-

selten, aber denkbar

Panorama Merge

-

nie

Gesichtserkennnung

-

nie

GPU Unterstuetzung

x

hat Capture One Pro

Support fuer Touch-PCs

-

z.Z. nicht benoetigt, aber denkbar

Import direkt in Sammlungen

x

hat Capture One Pro/ wichtig

Neue Metadata-Filterungs Optionen

x

hat Capture One Pro/ wichtig

Pet Eye 

x

WTF ?/ geht mit uebl. Bordmitteln

CMYK Soft Proofing support

x

hat Capture One Pro/ nicht wirklich wichtig

Musik Sync fuer Slideshow 

-

WTF ?/ Wer das wirklich braucht, bitte mal melden.

HTML5 Web Module Gallerie

-

nie/ wird berufl. meist anders geloest

Verlaufsfiltermaske aendern

x

wichtig/ hat Capture One Pro generell fuer alle Masken/Layer

Mobile-Unterstuetzung

x

nie

Was ich besonders lustig fand, man kann jetzt in Lightroom 6 die Masken radieren - wow.  Das jetzt als Feature und nicht als Bugfix zu praesentieren, das hat schon was. Aber das gehoerte noch zu den eher brauchbareren neuen „Features“. 

HDR, Panorama und Gesichtserkennung brauche ich im beruflichen Alltag nicht. Ersteres eroeffnet jedoch immerhin einige Rettungsmoeglichkeiten und evtl. auch weitere Moeglichkeiten, die ich im Moment vielleicht noch nicht sehe. Ueber die Implementierung kann ich nicht viel sagen, aber wenn ich so den Zwischentoenen von Gunther Wegner lausche, dann ist die wohl nur halbherzig vollzogen. 

Auf der anderen Seite macht Adobe genau das, was z.B. bei Apple von Steve Jobs gestartet und nun seit ein paar Jahren so erfolgreich durchgezogen wird. Und zwar die Methode: Gib dem Affen Zucker … Ich persoenlich nenn das ja galoppierende Infantilisierung.

Apple und auch Lightroom entfernen sich mit Riesenschritten immer mehr vom beruflichen Anwender und verzichten bewusst auf die Erfuellung der anspruchsvollen (und teuren) Anforderungen einer zwar treuen, aber doch eben wirtschaftlich zu kleinen Groesse. Statt dessen fuettern sie eine sehr breite und vor allem kaufwillige Masse mit halbherzigen und fuer den beruflichen Alltag zu vernachlaessigenden Funktionen. Kurz: Mehr Marketing fuer Doofe + weniger Gehirn fuer Innovationen = mehr Zaster.

Ein sehr klassischer Indiz ist die Pet-Eye-Funktion. Mit einem vernuenftigen RAW-Enwickler kann man maskierte Farbbereiche immer in bestimmten Maszen korrigieren. Natuerlich muss man dazu auch wissen, was man da eigentlich tut. Leute, die sich damit nicht befassen wollen (oder koennen), die brauchen einen grossen Button auf dem steht „Hier kannst du die Augen deiner Katze wieder Gelb machen“. Das neue „Photos“ von Apple geht genau in diese Richtung - grosse pawlowsche Knoepfe zum draufdruecken, freuen und sabbern …

Natuerlich merkt das auch der treuste Lightroom- und Apple-Nutzer. Und ich sehe durchaus, dass ein Umstieg auf andere Systeme ein echter Schmerz im Po sein kann, was die Leidensfaehigkeit fuer gewoehnlich sehr streckt. Aber mit ein wenig Ehrlichkeit sollte jedem Lightroom-User klar sein, dass Adobe mit seiner SOHO-Loesung auf den eher unbedarften Gelegenheitsknipser mit ueberschaubaren Ambitionen zielt. Der ernsthafte Amateur, der ich ja ausserhalb meines Berufes auch bin, kommt sich mit dem neuen Lightroom dagegen reichlich verladen vor. Beruflich ist Lightroom ob der fehlenden Netzwerkfunktionalitaet sowieso ein klares NoGo.

Was Lightroom meines Erachtens dringend fehlt, wenn es denn in der ernsthaften Fotografenliga -egal ob beruflich oder Freizeit- mitspielen moechte, sind:

  • Netzwerkunterstuetzung (Wir befinden uns im Jahre 2015!)
  • Alternative zum Katalog/ Sessions
  • ein vernuenftiges UI
  • selektives Editieren in Layern
  • haendisches Keystone (Bildergeraderuecken)
  • aufgebohrtes Farbmanagement und Farbmanipulation

Capture One Pro 8.2 hat das alles, wenn auch manchmal in problematischer Implementation. So gibt es immer mal merkwuerdige Performance-Bugs oder ganz aktuell einen haesslichen Apple-Bug, den Capture One Pro nicht abgefangen hat (White Tokens). Weiterhin ist die Metadatenverwaltung bzw. das ganze Handling bis hin zum Import von Controlled Vocabularies eher duerftig. Ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass so nach und nach alle DAM-Features von MediaPro in Capture One Pro aufgehen werden. 

Was ich immer wichtiger finde und bei Capture One Pro mittlerweile richtig schaetze, dass dieser ganze Bloatkram nicht vorhanden ist. Diese Uploads zu immer wieder neu aufpoppenden und dann wieder verschwindenden Bilderhalden, Buchanbietern usw. hat in einem solchen Programm m.E. schlicht nichts zu suchen. 

Auch den oft gewueschten Plugin-Schnittstellen in Capture One Pro stehe ich mittlerweile sehr kritisch gegenueber. Zu oft habe ich erlebt (insbes. bei CMS), dass outgedatete Plugins ein Upgrade verhindert oder zumindest den Arbeitsablauf regelrecht ins Nirvana gezogen haben. Heutzutage wuerde ich weder Lightroom noch Capture One Pro mit Plugins u.ae. kontaminieren wollen und derartige Funktionen immer auf 3rdParty Programme auslagern.

Natuerlich ist die Grenze da fliessend. Es gibt keine Behoerde die sagt, Panorama, HDR, Blurb, Map, SilverFX und alles von JFriedl gehoert zwingend in einen Raw-Entwickler. Oder andersrum, ein Katalog gehoert da auch nicht rein. 

Fakt ist aber auch, und Lightroom demonstriert das im Moment augenscheinlich, je kleiner der Umfang, desto hoeher die Qualitaet seiner Einzelteile. Capture One Pro ist m.E. sehr gut aufgestellt und hat den richtigen Nenner gefunden, was in so eine RAW-Entwicker-Suite gehoert und was nicht. Leuten, denen die Bildqualitaet und ein effizienter Arbeitsablauf eher zweitrangig ist, die werden den Weg der gemolkenen Infanten gehen muessen.

  • Hmmm, da ich ja nun auch wieder in das Licht getreten bin (seit Anfang des Monats ein stolzer Besitzer einer COP-Lizenz) kann ich dem nur zustimmen. Der einzige Punkt wo ich LR ein wenig vermisse ist die Stichwortverwaltung, sie ist intuitiver (fuer mich!) in LR!
    Aber ich denke, das kriegen die Daenen auch noch besser hin!

    Was mir ganz einfach besser an COP gefaellt ist die Tatsache, dass die Ergebnisse einfach "knacken", fuer mich sieht das selbe Bild in LR "entwickelt" einfach flacher, trueber aus. Ich benutze COP selten fuer kommerziellen Projekte (weil ich nur zu selten welche habe) aber ich habe vor kurzem eine Hochzeit fotografiert und habe spasseshalber hier und da ein LR-Export mit in die Vorauswahl reingepackt, kein einziges wurde genommen! Und nicht das ich in LR geschludert hatte!
    Fuer mich ist das allein schon Grund genug COP zu benutzen.

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