Ein Nachtrag zu meinem Lightroom-Rant

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

sventetzlaff 0531Nicht das jemand denkt, ich wuerde mich gerade auf Lightroom einschiessen. Natuerlich nicht. Aber einfach macht es einem Adobe nicht, nicht staendig ueber sie zu laestern. Anlass fuer diesen Artikel war ein Blogpost von Stefan Groenveld zum Thema CaptureOnePro vs. LR CC. Und dabei ist mir aufgefallen, dass COP-User nach meinem Geschmack immer etwas zu bescheiden auftreten. Ich find ja, ein bisschen Polemik schadet da rein gar nicht. Entsprechend habe ich dann meinen Kommentar zu seinem - wirklich lesenswerten Artikel - gepostet, um mal ein bisschen Oel ins Feuer zu giessen. Ausserdem verspreche ich, dass dies der letzte Artikel fuer dieses Jahr zum Thema Lightroom sein wird. Hier nun der Kommentar in voller Laenge: ...

Ich gebe zu, dass ich z.B. Artikel in Zeitschriften oder auf Blogs, die reine Feature-Vergleiche anstellen nur sehr ungern lese. Um die Qualitaet einer Software bzw. die Eignung dieser fuer den eigenen Arbeitsablauf zu beurteilen, ist doch ein bisschen mehr noetig. Und schlussendlich muss man sich auch ein bisschen moegen. Ich gebe ehrlich zu, ich kann Adobe nicht leiden. Warum, das habe ich in einer Podcastfolge (Lady Datuk so ab Minute 20) auch mal erklaert.

Dennoch, ich spreche jetzt mal als beruflicher Anwender, mache ich vor einer Investition immer auch immer eine Art Pflichtenheft um moegliche Kandidaten daraufhin abzuklopfen. Wuerde ich heute (wieder*) eine Agentur einrichten, dann wuerde ich eben verschiedene Programme an den Firmenablaeufen, Sicherheitsaspekten, TCO, Investitionsschutz usw. usf. messen.

Und hier muss ich ganz klar und voellig objektiv sagen: LR haette nicht den Hauch einer Chance. Die wichtigsten Kriterien sind fuer mich:

  • (KO) Netzwerkunterstuetzung (Wir befinden uns im Jahre 2015!)
  • (KO) Tethered Shooting mit LiveView
  • (KO) Alternative zum Katalog/ Sessions
  • (laesslich) ein vernuenftiges anpassbares UI
  • (KO) selektives Editieren in Layern
  • (laesslich) haendisches Keystone (Bildergeraderuecken)
  • aufgebohrtes Farbmanagement und Farbmanipulation (bringt LR auch, aber nicht mal halb so elegant und zeitsparend)

Die von dir erwaehnten Funktionen wie Buch-, Diashow-, Web- Funktionen halte ich fuer fehl am Platze. Das ist meines Erachtens echter Bloatkram, den gefuehlt 10^6 andere 3rd-Party-Programme besser koennen. Oder um noch deutlicher zu sein, sowas gehoert in den Hobbybereich.

Nun gut, natuerlich ist der RAW-Konverter nicht der Kern des fotografischen Prozesses und prinzipiell geht es immer auch mit einfacheren oder von den Kameraherstellern mitgelieferten Mitteln. Aber je kommerzieller dieser Prozess wird, desto entscheidender ist die richtige Wahl der Werkzeuge. Man stelle sich vor, man muss einen kompletten 20″ Container voll mit Gadgets fuer Alibaba fotografieren (just we have done) und wollte dies mit LR tun ? Dies waere reiner Masochismus. Dito eine Abfolge von allen Hochschullehrern einer Uni im Studio mit unterschiedlichen Posen, Hintergruenden etc. – wie soll das gehen ohne Liveview und verteiltes Arbeiten ?

Mein Fazit zu LR ist: dieses Programm ist evtl. urspruenglich fuer kommerzielle Anforderungen gedacht gewesen, aber seit ein paar Jahren zielt es ausschliesslich auf den Massenmarkt – und der ist nunmal der Amateurbereich. Entspr. wird man wichtige Funktionen auch in Zukunft dort nicht finden bzw. immer weniger werden lassen. Das Abo-Modell zielt ja eben auch genau auf diese Klientel.

Und das bringt mich auf einen weiteren Punkt: Unsere Bilder und die bislang darin investierte Arbeit, stellen das wesentliche Asset dar. Ein Asset, den z.B. auch Banken genau beziffern koennen (bei uns sind z.Z. 5 Fotografen unter Vertrag). Wuerde ich LRCC nutzen und wollte es irgendwann mal verlassen, ist dieses Asset im Eimer. Es ist mir voellig unverstaendlich, wie sich berufliche Nutzer auf diesen Wahnsinn ueberhaupt einlassen koennen ? Waer ich Bank, wuerde ich sowas abklopfen.

Bezueglich Tutorien und so, da gibt es leider viel englisches Zeugs. Das ist ein echter Mangel. (Dennoch hoffe ich, dass Scott Kelby niemals COP entdeckt). Um diesen Mangel etwas entgegenzutreten habe ich entsprechend eine Deutsche User Group auf G+ gegruendet (https://goo.gl/Xj7kXp) und wenn es die Zeit erlaubt poste ich auch mal den einen oder anderen deutschen Screencast zu COP (https://goo.gl/kWswWS). Ich mach das ehrenamtlich und habe sonst nix mit P1 zu tun, entsprechend wuerde ich mich natuerlich freuen, wenn da noch mehr Leute mitmachen wuerden und eigenes Zeugs beitragen, denn auch meine Zeit ist etwas limitiert.  ;-)

So weit … und schoene Gruesse aus Hong Kong

Sven

* Unsere Agentur existiert seit 2005 und damals war die Wahl eher ueberschaubar. LR stand da noch nicht zur Debatte. Wenn ich recht erinnere, kam neben COP nur noch Bibble in die engere Auswahl.

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