Gallery Follow Up & Piwigo

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

piwigo1Mein Artikel »WELCHE GALERIE DARF ES DENN SEIN?« Ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Ich hatte immer mal wieder vor, einen neuen Test zu machen, aber die Zeit ... wissen schon ... Hier nun endlich - nach immerhin 3 Jahren - ein Follow-up zum Galerie-Test. 

Man müsste annehmen, dass es heute mehr Galerien als noch vor 3 Jahren gibt, denn immerhin soll 8x mehr fotografiert werden, als noch vor 10 Jahren. Dem ist nicht so. Ebenso wie selbstgehostete private Homepages unpopulär werden, verschwindet auch die entsprechende Software. Flickr&Co. machen es dem Fotografen sehr bequem, seine Bilder an einen Dienstleister auszuhändigen. Die damit erkauften Nachteile erscheinen den meisten akzeptabel. (Ich halte das für einen sehr schlechten Kompromiss, aber das ist ein anderes Thema). Grundsätzlich gilt bei Non-Community-Projects wie Flickr, Instagram ... »Ist etwas kostenlos, bezahlst du mit deinen Daten.«

Damit einher geht jedoch auch, dass die, die sich selber um ihre Assets kümmern, sich auch mehr Spezialwissen aneignen muessen. Galerien wie Koken oder Chevereto versuchen, diesen Spagat zwischen Ökonomie, Bequemlichkeit und Privatspaehre irgendwie zu meistern. Sie stehen jedoch in direkter Konkurrenz zu den »kostenlosen« Angeboten wie Instagram, Flicker usw. und haben es damit doppelt schwer. Flexible - und damit eher unbequeme - Systeme, wie z.B. ZenPhoto, Piwigo, Coppermine oder Stockbox, erfordern eine gehörige Portion Grundwissen. Das ist nicht jedes Fotografen Ding.

Auf der anderen Seite gibt es seit wenigen Jahren verstaerkt die sogenannten Webbaukästen wie Wix.com oder Jimdo.com. Wobei Baukästen ein echtes Understatement ist. Diese Systeme, die gleichzeitig als Hoster auftreten, sind überhaupt nicht mehr vergleichbar mit gleichnamigem Gruselgedöns aus dem Hause Adobe oder Microsoft längst vergangener Tage. Wie gut die Galerien innerhalb der Systeme sind, kann ich mangels Erfahrungen nicht sagen. Auf jeden Fall hab ich schon etliche ansprechende  Sites gesehen und werde einen entspr. Test mal im Hinterkopf behalten.

Womit wir auch schon bei den News sind. 

News

  • Menalto Gallery hat sich vom Markt (vorerst) verabschiedet. Nach Aussagen von Menalto hat sich Gallery3 schlafen gelegt. Allerdings darf bezweifelt werden, dass es je zu einer Wiederauferstehung kommen wird.

  • Koken ist in ebenfalls in Schieflage geraten, konnte sich aber durch einen Verkauf an Netobjects (vorerst) retten. Die Entwicklung von Koken scheint jedoch weiter zu gehen. Vor kurzem wurde ein Shopping-Modul den Plug-ins zugefügt.

  • Die von mir bemängelte Rechteverwaltung in Zenphoto v1.4.5.5 ist mit der v1.4.11 etwas besser geworden. Damit würde Zenphoto mein altes Pflichtenheft erfüllen.

    »I read about Zenphoto one of the features was being able to set viewing rights for each picture?
    Not sure where you read this but not on our article linked above. You can only directly assign specific user rights per top level album, not individual sub albums or individual images. All possible rights are explained in the link I posted above.

    The only other way describe might be to give the users in question »Gallery > view unpublished« rights and unpublish the images normal users should not see.«

    Zenphotos Stärke ist zweifellos die CMS-Funktionalität. Das ist besonder für Fotografen interessant, die sich nicht um ein zweites CMS bzw. eine eigene Webseite kümmern mochten.

  • Coppermine (1.5.40 bzw. 1.4.27) entwickelt sich weiterhin prächtig, wenn auch sehr gemächlich. Leider ist die vollständige Transition von 1.4 zu 1.5 immer noch nicht abgeschlossen. Als langjähriger Joomla-User kenn ich dieses Kreuz und würde heute - egal wie - immer zu der höheren Version raten.

  • Auf Chevereto bin ich von einem Kommentator aufmerksam gemacht worden. Es kommt ähnlich wie Koken daher. Mit dem kleinen Unterschied, dass es von vornherein nicht ausschließlich über die  Plug-ins Umsätze zu generieren versucht, sondern direkt Geld kostet. Die Preise sind moderat, und Fair bezgl. Updates etc.

    Chevereto versteht sich nicht als Bilderdatenbank wie Zenphoto, Piwigo & Co., sondern als »your own image sharing website«. Es geht also darum, eine eigene Community zu schaffen, die direkt mit den einschlägigen »sozialen« Medien verquickt ist.

    Weiterhin bietet Chevereto Bannervermarktungen an: »Make money with Ads. Chevereto comes with 16 ad spaces that will fit gorgeous in the default theme. Easy as just paste the banner codes and done. Start earning money right away without messing with template files or anything else.« Und darueber hinaus kann man an Cheveretos Affiliate-Programm mitmachen.

    Es gibt z.Z. (ver. 3.7.) noch keine Verkaufsmoeglichkeit. Rodolfo: »There won’t be any kind of paid/premium features until Chevereto 4.«
    Chevereto ist zweifellos interessant für viele Fotografen, gerade, wenn diese gerne mit den »sozialen« Medien spielen moegen oder wenn sie über Werbung + Blog ein weiteres Einkommen generieren möchten.

  • Auch bei Stockboxphoto gibt es ein paar Neuigkeiten. Die Preise sind drastisch gesunken. Von ehemals USD1,099 (2013) auf nunmehr USD699 (2016) für die Unbranded Enterprise Version. Die jährliche Erneuerung würde USD150 kosten. Die gesamte Software ist nun auf HTML5 umgestellt und alle Flash-Altlasten sind entsorgt. Stockbox ist immer noch das beste Programm in diesem Marktsegment. Allerdings sind die Preise nicht mehr zeitgemäß. Hinzu kommt, dass mit Zend-Engine und der URL-abhaengigen Lizenz und PHP-abhaengigen Versionierung, die Wartung, als auch Installation außerordentlich kompliziert geworden ist. 

Piwigo

Wie an der Überschrift schon zu sehen, will ich Piwigo (ver. 2.7.4) naeher betrachten. Im alten Artikel habe ich bemängelt: »Piwigo (2.5.2) hat die per ftp angebotenene Bilder in Windeseile gegessen. Allerdings stellte sich bei naeherer Betrachtung  ein grosses Problem heraus. Die Metadaten werden zwar nicht von den Originalfiles gestrippt, jedoch nur unvollstaendig in die verkleinerten Ansichten uebernommen. Ein EXIF-Rechtsklick auf das Original zeigt noch alle Daten an, doch weder in der Datenbank, noch in den verkleinerten Versionen sind die zu finden. Caption und Description werden nicht kopiert bzw. gemappt. ...  «

Dieses Problem und auch das mit den Dateigrößen, hat Piwigo mittlerweile sehr elegant geloest. Ebenso ist die Plugin-Vielfalt enorm angestiegen und alle Flash-Artefakte wurden entsorgt.

Piwigo ist hat aber noch ein paar weitere Änderungen vorgenommen, die mir sehr willkommen sind. Jeder, der einen eigenes CMS o.ä. betreibt, der kennt das »änder doch einfach in der config.xyz.uvw ab ungefähr Zeile 2,342,666 diesen Code...«. Nichts ist abschreckender - nicht nur für Fotografen. Piwigo hat die Konfigurationseinstellungen in die Admin-Oberfläche hineingeholt. Und diese Option ist ein Plugin, das man zusätzlich installieren kann - aber nicht muss.

localfiles

Das heisst, will (oder muss) ich auf dieser Ebene etwas machen, dann lade ich mir das Plug-in  »LocalFiles Editor« und aktiviere es. Die CSS, Config ... usw. sind zu Beginn leer und ich kann sie dann mit entspr. Anweisungen auffüllen. Besonders schoen: Man kann auf diesem Wege auch eigene Plug-ins basteln oder Sprachanpassungen vornehmen. Das alles ohne den ganzen Stress mit Editoren, Ftp & Co.  und endlosen Suchereien, wo denn nun welche Datei ist.

plugins

Apropos Plug-ins, auch die brauche ich nicht von irgendwoher installieren, sondern die werden direkt in der Admin-Oberfläche angeboten. Ich kann sie von dort installieren und aktivieren. Das Gleiche mit dem Themes. Die Themenauswahl ist ueppig und umfasst auch diverse Responsive-Layouts bis hin zur Flickr-Optik.

themes

Im Gegensatz zu Stockboxphoto sind in Piwigo schon etliche Sprachen vorinstalliert. Sollten einem da Fehler auffallen, kann man die schnell, entweder in der Community oder eben selber mittels Overrides ändern.

installed

Piwigo wäre allein mit den bereits vorhanden Funktionen ein sehr rundes Produkt. Darüberhinaus gibt es jedoch zwei weitere sehr interessante Entwicklungen. Das ist zum einen die Möglichkeit via einem rsync-ähnlichen Client, einen Bereich der Festplatte mit der Piwigo-DB zu synchronisieren. Mit einem solchen Client kann z.B. sehr einfach die Capture-One-Ausgabe synchronisiert werden. Noch ist das Plug-in im Alpha-Stadium, aber dennoch schon zu gebrauchen.(*) Und zum Zweiten ist das die Bridge zu Joomla.

The Bridge

Aus guten Gründen verwende ich kein Wordpress, sondern Joomla. Joomla hat zwar diverse Galerie-Plug-ins doch diese Galerien reichen nicht an richtige Bilderdatenbanken heran. Entsprechend wäre es ja sinnvoll, wenn man Bilder, die man sowieso in einer Bilderdatenbank hat, auch im eigenen CMS adäquat präsentieren könnte. Wen man den Faden weiterspinnt, dann könnte man auch gleich auf die Idee kommen, diese mit den Bildern auf Instagram, Flickr, Facebook, Google ... auch zu tun ? Sie also faktisch wieder aus der Diaspora zurück auf den eigenen Server zu holen - wenn auch virtuell. Und das geht tatsächlich! Und zwar mit dem SlideshowFX-Joomla-Plugin von einem der Piwigo-Entwickler. 

alben

Die ganz unten gezeigten Bilder sind auf genau diese Weise in diesen Artikel gelangt. Der große Vorteil dieser Loesung gegenüber statischen Links ist, dass ich alle Änderungen z.B. in der Piwigo-DB sofort in dem Artikel übernommen werden, ohne dass man eingreifen müsste. Umgekehrt erspare ich mir Redundanz und vor allem Platz auf dem Server meines CMS.

Während die Integration von FB, G+, Instagram, Flickr und weiteren relativ umfangreich ist (das ganze API-Geraffel für Entwickler), ist die Piwigo-Integration in exakt 5sek erledigt. Einfach in der Konfiguration den Namen des Piwigo-DB-Servers eingeben, in meinem Fall also http://solarphoto.org/piwigo/ws.php, speichern und dann im Artikel über den Button »SlideshowFX Gallery«, entweder die komplette Galerie oder eben ein einzelnes Album auswählen - fertig. (Wenn ich in den Accounts die o.g. Social Media eingetragen habe, dann werden auch diese Galerien angezeigt und auf gleiche Weise eingefügt.)

artikel

Schneller habe ich noch nie eine Galerie installiert, die auf Anhieb auch noch ansprechend aussieht. Ich muss die Galerien nicht in einem Artikel anzeigen, ebenso moeglich ist ein eigenes Modul oder auch Alben bzw. Gallerien direkt ins Menue einzuhaengen. Die Feinjustagen sind enorm vielfältig und einzeln hier zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen. Ein paar Möglichkeiten habe ich unten demonstriert.

slider

Fazit

Gallery3 und Koken würde ich aus genannten Gründen nicht verwenden. Zu unsicher ist, ob der eine wieder aufwacht oder der andere nicht schlafen geht. Mit Zenphoto oder Coppermine macht man im Moment nichts falsch, sind aber Geschmackssache. Mein Geschmack sind sie nicht. Stockboxphoto ist zwar günstiger geworden, aber sowohl Aufwand fuer Wartung und Installation, als auch der Preis sind nicht mehr zeitgemäß. Piwigo ist ganz klar mein Favorit. Die Kombo Piwigo+Joomla+SFX ist das Dream-Team, für das ich Stockboxphoto aufgegeben habe..

(*) Natürlich geht das auch alles ueber rsync unter OSX und Linux.

Ein paar Beispiele: 

MG 9445
MG 9458
JPEG sLARGE L1008641
JPEG sLARGE L1008627
JPEG sLARGE L1008620

Ein Album aus der Piwigo-DB als Slider

 

Das gleiche Album als Thumbnail. Das Album wird in einem automatisch erzeugten Joomla-Artikel angezeigt. 

Ein anderes Album als Galerie

Eine Slide Show


 

 

  • Wordpress ist an sich echt super, leicht zu bedienen, hat viele funktionen, das Problem ist sobald man sein eigenes Theme machen will, muss man ordentlich dafür PRogrammieren lernen, da es nicht wirklich einfach ist so ein Template einzubinden. Das Gallerie Addon sieht gut aus. :)

  • Hi Sven,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ja, die Codequalität von WP ist schon ... kurios. 2000 Zeilen Code für die Post-Query, uaaah!

    Gruß,
    Jens

  • Hallo,

    netter, ausführlicher Artikel mit guten Galerie-Optionen.

    Was sind denn Deine guten Gründe gegen Wordpress? Die üblichen oder ganz spezielle?

    Viele Grüße,
    Jens

  • Hallo Jens,
    vorab, ich moechte niemandem WP ausreden. WP ist fein fuer Blogs, Podcasts, Newsticker.... Taeglich ein paar Artikel und Podcasts bringen WP nicht um. Will man darueber noch einiges mehr mit der Website anfangen, dann wirds jedoch unverhaeltnismaessig schwer und/oder teuer.

    WP ist voellig Template-basierend. Man kann das mit Plug-ins erweitern, aber man kommt schnell in die Situation, das ein Workaround dem naechsten folgt. Joomla verfolgt einen voellig anderen Ansatz. Ein Template ist im besten Falle nur ein Skin. Die drunterliegende Struktur wird durch Module (M), Komponenten(C) und Plugins(P) realisiert. Das ist im ersten Moment komplizierter, aber hinten raus habe ich alle Freiheiten, das Projekt wachsen zu lassen. Mit WP bin ich von Anfang an auf die o.g. Anwendungen genagelt. Ob eCommerz, Galerien, Portale, Communityplatformen ... alles kein Problem fuer Joomla. Mit WP m.E. praktisch unmoeglich.

    Das zweite Problem mit WP ergibt sich ein wenig daraus. Die Templatezentrierung ist gelegentlich hinderlich. Entsprechend muessen sich die Entwickler etliche Tricks einfallen lassen. Doch nicht jeder ist einen Super-Trooper-Mega-Entwickler. Entsprechend ist die durchschnittliche Codequalitaet von WP ueberdurchschnittlich schlecht. Sachen, die einfach in Joomla sogar von mir selbst gemacht werden koennen, erfordern unter WP arkanes Wissen und ein paar kg Code zusaetzlich. Es ist nicht nur die Popularitaet von WP, die es so angreifbar macht, sondern auch die lausige Codequalitaet. Vergleiche einfach mal die M,C,P von Stackideas, Kunena oder RSJoomla mit den Plug-ins fuer WP, fuer aehnliche Anwendungen. Was mich diesbezueglich jedoch wundert, dass Joomla im Vergleich zu WP oder Drupal eine viel hoehere Updatefrequenz hat.

    Ich habe tatsaechlich oefter mal WP installiert. Wir haben z.B. einen reinen Newsticker auf Chinesisch, der mal eine Auffrischung brauchte. Die Seite enthielt unter Joomla 2.5 ca. 5,000 Artikel (Standardseitenlang). Nachdem wir die Artikel zu WP hinueberkopiert haben, ist die Serverlast auf das 3 bis 5-Fache gestiegen. Bei ca. 100k Besuchern taeglich, kam unser Server damit an die Grenzen - allein durch die WP-Nutzung. Prominente WP Betreiber (ich glaube CNN?) buchen dann einfach "mehr Server." Das kann und will ich aber nicht.

    Und last but not least, ich arbeite nun schon seit zig Jahren schon mit Joomla (als es noch Mambo hiess und an WP gar nicht zu denken war). Entsprechend hat sich da so einiges an Assets und auch KnowHow angesammelt, das sich immer wieder gut verwerten laesst. Ich hab auch mit Drupal eine Weile gespielt. Abgesehen davon, dass es mit tatsaechlich ganz gut gefaellt, ist es dann doch eher mit Kanonen auf Spatzen. Meine Anwendungen werden nie so gross werden, dass ich ernsthaft an die Grenzen von Joomla komme. Bei WP ging das dagegen sehr schnell.

    So weit ....

    Sven

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