Was ist in deiner Balletttasche

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

 
 

Show & Tell

Ich mach ja bekanntlich auch Tanzfotografie und da gibt es in diversen Tanz-Magazinen eine etwas merkwuerdige Rubrik - naemlich die “Was ist in deiner Ballett-Tasche ?”-Rubrik. In dieser Rubrik packt irgendeine namhafte (oder auch weniger namhafte ) Ballerina ihre Ballett-Tasche fuer den Fotografen respektive Leser aus. Zugegeben, dies ist irgendwie etwas klebrig und fuer manchen auch reichlich gewoehnungsbeduerftig, aber offensichtlich interessiert es Taenzer&Taenzerinnen brennend, was die anderen in ihrer Tasche haben. Bei dem bekannten Tanz-Magazin “Pointe” laeuft das in der Rubrik “Show&Tell” und in der aktuellen Ausgabe 10/11-2012 heisst die Story “Inside Natalia Alonso’s Dance Bag”.

OK … Lange Rede kurzer Sinn … Da hab ich mir gedacht, warum eigentlich nicht ? Fotografen interessiert es naemlich auch was andere denn so zu bestimmten Events mitnehmen. Der Minimalist antwortet dann gerne mit 50mm/2.8+Kleinbild-Body. In Wirklichkeit nehmen die meisten natuerlich noch mehr weit mit, als sie gemeinhin erzaehlen - weil ... warum eigentlich nicht. Ich pack jetzt mal meine Tasche aus, die ich auf meinem letzten Urlaub dabei hatte. Und da die Rubrik ja Show&Tell heisst, zeig ich nicht nur her, sondern sag ich auch noch was dazu.

What the hell  …. ?

... hat meine Frau gefragt, als sie meine Tasche fuer den Urlaub gesehen hat. Als wir das letzte mal nach Europa gefahren sind, hatte ich nur eine einzige Kamera mit und diesmal (so beinahe vor der Haustuer) hab ich gnadenlos zugelangt. Der Grund fuer diesen technischen Overkill ist relativ einfach zu erklaeren. Waehrend ich sicher noch oft nach Europa fahren werde, ist die Wahrscheinlichkeit nochmal nach BHUTAN zu kommen, eher gering. Daher ist es vielleicht nachvollziebar, das beim packen der Tasche vor allem die Panik hinter mir stand, irgend eine Chance auf ein Bild zu verpassen.

 
Wenn man nach Bhutan will, muss
man am Mt. Everest vorbei
 


Die Liste:
- Rucksack Lowepro fuer laengere Touren
- Tasche Pride&Glory fuer Kurztrips
- Kamera Canon 5DMKII
- Kamera Fujifilm GW690III (Texas Leica)
- Kamera Fujifilm X100
- Kamera Canon Legria HF S200
- Objektiv Canon 24-70/2.8
- Objektiv Canon TSEii 24/3.5
- Objektiv Canon 70-200/2.8
- Blitz 580 EX II + Synchron-Kabel + Verlaengerung
- Karbonstativ + Kugelkopf
- Recorder ZoomH4
- 1TB HD
- Diverse Ersatz Akkus
- Belichtungsmesser DFM3 (elektr.)
- Belichtungsmesser OMES (mech.)
- externes Mikro fuer Movie
- Kartenleser
- OTG Kabel
- 10x Film Provia 400F
- 10x Filme HP5+
- Drahtausloeser
- diverse Speicherkarten (SD/CF)
- Diverse Filter (Orange, Pol, ND) Cookin und Schraubf.
- Phottix Funkfernausloeser
- Notizbuch MUJI
- Reinigungsgedoehns

Wozu das alles ?

Mal abgesehen vom geschleppe (Bhutan liegt so auf 3,000m und drueber), hatte ich auch vor mal "wirklich und in echt" die verschiedenen Systeme gegeneinander antreten zu lassen. Ich hab zu oft gehoert, X100 reicht fuer Urlaub … oder MkII kann alles immer und ueberall … oder Analog ist das Einzige …. DSLR ersetzt Video … bla bla bla …

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das ist alles Quatsch ! Am Ende haette ich nicht eine Kamera, Objektiv, Utensil missen moechten. Ich habe tatsaechlich z.B. bei der Exkursion zum Tiger-Nest das ganze Geraffel allerdings  ohne Stativ mitgenommen. Was btw. eine unglaubliche Schinderei war. 3,000m klingt jetzt nicht sooo abgefahren, allerdings beginnt der Aufstieg bei ca. 2,000m.  Das ist beinahe 3x Eiffelturm - 1 1/2x Eiffeltuerme haben wir mit einem Pferd bzw. ich mit einem Muli gemacht. Zwischendurch kommen dann noch ein Klamm mit ca. 1,000 Stufen runter und dann wieder 1,000 rauf. Natuerlich ohne die Vierbeiner. Ich gestehe, zwischendurch hat der Guide mir die Tasche abgenommen - ich glaub, der dachte ich sterb sonst … dacht ich auch irgendwie.

Tiger Nest mit : X100 5DMkII GW690III (Illford HP5+)

Android gewinnt - iOS verliert

Ich hab uebrigens keinen Computer mitgehabt. Lediglich ein iPad fuer den ‘Lonely Planet Bhutan’ (sinnlos) und als eBook Reader fuer Fluege und Aufenthalte. Allerdings hatte ich mir kurz vorher ein neues Smartphone zugelegt. Diesmal ein SGS3 und kein iPhone (bye bye Apple). Was mir bei iOS ( und zunehmend auch Mac OSX) schon geraume Zeit richtig auf den Wecker geht, dass eigentlich einfach zu realisierende Funktionen kuenstlich von Apple verhindert werden. Die Foren sind voll von Selbstgespraechen bezgl. LiveView und iOS. Gibs bei iOS aber nicht und wirds wohl auch nie geben. Es gibt da eine ganze Reihe von wie ich finde ultradaemlichen Kruecken. Bekanntlich favourisiere ich CaptureOne,  Lightroom benuzte ich nur selten und wenn, dann nur zum Verschlagworten und Uploaden. Als ich dann das erste mal was von CapturePilot gehoert habe, habe ich wirklich noch geglaubt, das damit LiveView auf dem iPad geht. Geht natuerlich nicht. Aber damit nicht genug, es ist noch viel bescheuerter. Ich muss erst den mit USB an die Kamera angeschlossenen MBP als CaptureOne-WiFi-Server fuer CapturePilot konfigurieren. Was fuer ein grandioser Unsinn - warum soll ich dann aufs iPad schauen, wenn ich das am eh verdrahteten 17"MBP schon kann ???

Bei Android gibt es diesen ganzen LiveViewAufSmartphone-Kram. Inklusive Intervall-, Fern-, Trigger-Ausloesung usw… Und das alles ganz schlicht ueber USB. Heisst z.B “Helicon Remote” und kostet schlaffe 30USD wenn man mit RAW rummachen will ansonsten 4free. Was aber noch abgefahrener ist, ich kann mit einem einfachen OTG Kabel (ca. 1EUR) die CF/SD-Karte mittels ordinaerem Kartenlesers auf die zusaetzliche interne 32GB Karte des Telefons zwischenspeichern und dann ueber den selben Anschluss alle Bilder auf die 1TB HD archivieren und zwar ordentlich sortiert etc. pp. Ich hatte zwar genuegend Karten mit, dennoch hab ich mich so bedeutend wohler gefuehlt.

Helicon Remote funktioniert uebrigens in der neuen Version auch auf einem Telefon (die alte ver. brauchte mehr Platz auf dem Bildschirm). Das ist definitiv die Software, die ich fuer das iPad schon lange vermisst habe. Bei iPhone endete meine Appelei beim 3G (jetzt SGS3), ein neues iPad werd ich wohl auch nicht mehr kaufen, eher schon ein androidPad und nachdem Apple den 17" MBP abgekuendigt hat und der MP praktisch von Apple gar nicht mehr erwaehnt wird, muss sich mir da auch langsam was ueberlegen ... Ich mag das MBA und auch ein 15"MBP mag ganz OK sein, doch fuer den EBV oder Schneidarbeitsplatz taugt das nix. (Ueber die neuen iMacs will ich mich gar nicht mehr verbreitern ... das ist einfach nur noch peinlich.)

Warum Analog ?

Die Antwort ist simpel - weil es einfach geil ist ! Dennnoch wuerde ich im Leben nicht mit 35mm Film durch die Lande ziehen.  Den Kleinbildsektor kann man getrost den Digitalen ueberlassen. Im Mittelformat und besonders bei 6x9, wie ihn meine GW690III belichtet, gibt es leider kein digitales Aequivalent. Nicht mal dann, wenn man bereit waere jeden Betrag zu zahlen. Ich sags ja immer wieder, bezueglich der Sensor(Film)-Groesse : SIZE MATTERS!!!

Und dies trifft umso mehr auf Dias zu. Ich benutze sehr gern den Provia 400f. Dies ist ein sehr genuegsamer Film, mit natuerlichen aber trotzdem knackigen Farben. Schaut man sich die 35mm Dias an, dann denkt man 'na ja OK' … aaaaber bei 6x9 haut das Ergebnis einem einfach die Beine weg.

Ich will mich da jetzt gar nicht zu sehr drueber auslassen - einfach mal ausprobieren. Da tuts auch schon mal ein billiger Klappfalter. Den Provia 100 oder 400 rein tun und dann nach dem Entwickeln eine Woche lang mit offenem Mund durch die Gegend marschieren.

Btw. Analogkameras sind keine Toy-Cams, sondern damit kann man auch richtig gut Geld verdienen. Die GW690III und die nahe Verwandte BESSA III sind nachwievor echte Tools in der kommerziellen Fotografie (und auch nicht wirklich billig, aber im Vergleich zum “digitalen MF” (also eigentlich Kleinbild auf Steroid) gnadenlos guenstig. 

Wem jetzt auffaellt “Oh, die Kameras sehen ja aus wie die ProX1 oder X100 von Fuji - jep, Fuji hat keinesfalls ‘Retrodesigned’ wie viele denken, sondern die haben ihr Design auf die neuen Produkte einfach nur NICHT geaendert.  So kann man die Designkosten auch klein halten und veraergert ausserdem die Nutzer nicht mit irgendwelcher Verhasselbladisierung.

FujiFilm tut dies aus gutem Grund. Die Bedienung der Kameras unterlag einer sehr langen Evolution in der alle Knoepfe dahin wanderten wo sie letztlich am sinnvollsten waren. Mit den Digitalen wurde manches obsolet, manches erhielt einen neuen Spin. Dennoch hat sich das ‘klassische’ Kameradesign gehalten - weil, gutes Design kaempft nicht gegen den Nutzer. (Dieses Problem hab ich z.B. mit Sony Kameras, die staendig gegen mein “behave” ankaempfen wollen. Ich hab das schon oft im Laden probiert und letztlich diese Design-Zicken immer wieder zurueck ins Regal getan.)

Flughafen-Geschichten

Bislang wurde meine Fototasche nur ein einziges mal richtig gefilzt und das war in Frankfurt am Main. Also so mit extra Raum und in alles reinschauen inkl. Spektoskopie-Sprengstoffsuche und so weiter. Wenn man nach Bhutan will, dann ist eine der uebliche Routen dahin, der Weg ueber Kathmandu. Kathmandu ist eine Stadt, von der immer das Gefuehl hat, dass sie eigentlich gerade zusammenfaellt. Das wirklich erstaunliche ist, dass sie immer noch da ist.

Genauso erstaunlich ist die Sicherheitskontrolle auf dem dortigen Flughafen. Ich hatte ein kleines Schweizer Messer ausversehen in der Hosentasche gelassen und mich innerlich schon davon verabschiedet - jedoch, kein Problem. Aber bei dem Drahtausloeser schlugen sie dann zu. Der durfte nicht ins Handepaeck - Stativ mit Kugelkopf uebrigens schon - der Drahtausloeser nicht. Also wurde der Ausloeser nochmals extra eingepackt um am Sicherheitscheck extra eingecheckt, zwar in der Kabine (ersparte zweites Einchecken in der Halle) konnte aber eben nicht im Handgepaeck befoerdert werden und landete dann bei der Landung in Paro (Bhutan) auch tatsaechlich auf dem Band (*Arghhh*).

Ich persoenlich kann nur den Tip geben, alles, was man ins Fluggepaeck tun kann, also z.B. Belichtungsmesser, Ladegeraete, DRAHTAUSLOESER, Speicherkarten … sollte man da auch rein tun. Auch die Schlecker-Brillenreinigungstuecher sollten da rein … wegen mit Alkohol getraenkt und so. Batteriepacks wiederum, also z.B. AA oder AAA gehoeren in eine Batteriebox und dann wiederum ins Handgepaeck. Lose Batterien im Fluggepaeck lassen das Roentgengeraet ziemlich sicher anspringen. Ich hab das schon zwei mal erlebt … so mit Ausrufen und so …

 

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