Dumm, Duemmer, PhaseOne?

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

PhaseOne so: "It is unlikely that we will support the Fuji GFX 50s – we have a long standing policy of not providing support to direct competitors of our core business.”  Uebersetzt ist das die besonders kluge und innovative Aussage, "Nö - machen wa nich! Weil, das haben wir schon immer so nich gemacht."
 
Wer sich mit der Thematik nicht so auskennt: PhaseOne (P1) ist Hersteller der Software CaptureOne (C1). Diese hat seit der Abkuendigung von Aperture(Apple) und der Ankeundigung Adobes Lightroom demnaechst in eine absurde Abo-Cloud zu ziehen, einen, fuer daenische Verhaeltnisse, etwas ungewohnten Zulauf. ...
 
PhaseOne ist jedoch auch Hersteller von Mittelformatkameras. Nun werden die Sensoren - entgegen allen Beteuerungen aus dem Winz-Format-Sektor - immer groesser und immer mehr Hersteller dringen ueber die heilige Kleinbildschwelle von 24x26mm zu hoeheren Weihen vor. So z.B. Leica S, Pentax 645z, Hasselblad X1D oder auch Fujifilm GFX50s, und mehr werden folgen. 
 
Unsere Agentur hat in der Tat vor, die GFX50s zu kaufen (und ich lieh, leihe und werde leihen, gelegentlich eine P1). Aber selbst wenn nicht, hielte ich eine solche Idee - wenn es denn stimmt - fuer sehr peinlich auf der einen, und kaufmaennisch dumm auf der anderen Seite. Es handelt sich um zwei grundsaetzlich andere Kaeufergruppen, die gelegentliche Ueberlappungen haben. (Siehe auch hier.)

Man nehme z.B. einen Sony-User, der als Zweitsystem eine FujiGFX oder eine Pentax645z hat. Dies wuerde fuer C1 einen realen Verlust bedeuten, wenn dieser Kunde zu einem anderen SW-Hersteller flieht, da die Lizenzierung mit Sony ja schon ausgehandelt ist. Bei einem Nutzer ist das egal, aber ich denke, ab sechsstelligen Fluechtlingszahlen wird Sony anfangen zu rechnen.
 
Allerdings spielt mit diesem Zoelibat C1/P1 bei Leica und Fujifilm Sony direkt in die Haende, denn beide Kameras verwenden keine Sony-Sensoren. Ansonsten besitzt Sony mittlerweile ein veritables Sensor-Monopol. Nur Leica, Fujifilm und Canon tanzen da (noch) aus der Reihe. Wie das aussieht, wenn es sich das Blatt gegen Sony wendet, wird man sehen. Die Japaner sind bei solchen Entscheidungen recht emotionslos - Geschaeft ist Krieg (jap. Sprichwort).

Doch am Ende nutzen solche strategischen Entscheidungen nix. Ebensowenig wie C1 seinerzeit Leica mit dem Advent der S erziehen konnte. Leica legte von da an LR bei und C1 verlor an Reputation und ganz real Kunden. Und wenn man mal ehrlich ist, dann ist der wesentliche Grund fuer C1 aktuelle Popularitaet vor allem Adobes Rumgepose und Apples notorische Unfaehigkeit.

Fuer mich bedeutete dies, dass ich fuer die meisten Kameras C1 nutzte und fuer eine Kamera ein anderes Programm (evtl. das vielleicht mitgelieferte SilkyPix DevStudioPro). C1 haette genau gar nichts von dieser Politik, ausser mein Mitleid und allgemein den zweifelhaften Ruf des kruemelkackenden Daenens mit kleinem Herzen.

Fazit: Wir brauchen mehr Fotografen, Techniker und Anwender in den Kamera-Firmen und sollten die meisten BWL- und Marketing-Spezialexperten entlassen. Die braucht wirklich kein Mensch.
  • Mein lieber Sven, wie du weißt bin ich ein großer Verehrer der Marke Phase One und insbesondere des herausragenden Sevices. Dieser war einer der Gründe von Nikon weg zu gehen. Capture One obsiegte tatsächlich angesichts der Knebelüpolitik von Adobe. So weit bin ich da recht emotionslos.
    Alelrdings würde i ch mir auch eine breitere Unterstützung von Kameras für C1 wünschen, denn mit der Forenvielfalt von PS, den zahlosen Hilfgruppen und Toolentwicklern, Erkläbären etc. können die Dänen leider nicht mithalten. Mein persönlicher Schwenk zu C1 dauerte gut 2 Jahre nach Kauf und wurde nur durch ein Gespräch mit meinem Phase One Ansprechpartner initiiert. Seitdem bin ich ziemlich glücklich damit - liegt aber auch an meiner Phase One, die ja bestens unterstützt wird ;-)
    Grüße aus Wuppertal
    Holger Reich

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