Die Liebe zur Uniformitaet und der Hang zur Phantasielosigkeit ...

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

... sind nur zwei Seiten der selben Sache - fuehren aber geradewegs zu sowas wie FB und Instagram. Dazu kommen noch technisches Unvermoegen und eine Art sozialer ADHS.
(urspruenglich im Heiseforum veroeffentlicht)


Anders ist es kaum zu erklaeren, dass sich immer mehr Menschen in Facebooks, Instagrams & Co. begeben und ihre eigenen -einstmals ambitionierten (Web)Projekte- einer droehnend langweiligen Uniformitaet und entsetzlicher Langeweile weichen lassen.

Es mag gute Bilder auf Instagramm geben, prozentual sind sie aber nicht der Rede Wert - ein Physiker wuerde sagen, "zu vernachlaessigend klein". Es gibt ebensowenig 'gut gestaltete' Facebook-Seiten. Geht auch gar nicht - will man auch gar nicht ... koennen die meisten auch gar nicht (mehr).

In Sachen Kreativitaet war so manche Frontpage-Schulprojekt-Seite dem heutigen FaceBrei um Lichtjahre voraus - egal ob sie scheisse aussehen oder nicht. Es ist naemlich NICHT voellig egal, ob ich einen Trabant selber fahren kann oder mich in einem Daimler kutschieren lasse(n muss). Das wird besonders dann wichtig, wenn mir am Ende auch das Ziel vorgegeben wird und ich gar keine Wahlmoeglichkeit mehr habe.

Der Erfolg von Facebook&Instagram ist mithin auch einem zunehmenden Verlust an der, wenn man so will, Kulturtechnik, einen eigenen Server, CMS, Website ... Unameit aufzusetzen, geschuldet.

Dieses Problem, eine echte Loesung mit durch ein vorgekautes Stueck 'Irgendwas' zu ersetzen zu lassen, erlebe ich beinahe taeglich. Wenn ich z.B. einen Kollegen bitte, eine bestimmte Grafik zu machen oder einen "Look" zu erzeugen, dann fragt er mich zuerst, wo er den Photoshopfilter herbekommen soll. Dieser Mensch ist so fantasielos wie ein Stueck Kreide. Man kann ihn benutzen, aber von allein kommt da nix.

Schaut man sich die diversen Mobile-Instagramme an, die vom Motiv moeglicherweise noch OK sein moegen, dann erkennt man, dass sie durch diverse "Filter" nur noch zum brechen reizen. Meine Fresse, mittlerweile gibt es vermutlich mehr Kodachrome-Filter-Instagramme, denn echte Kodak-Dias - das ist so dermaszen originell ...

"Jaaa ...", kommen dann einige, ..."das ist ja alles SocialMedia ...es geht ums sharen to spread your ideas around the world oder so Alter ..." Dies ist natuerlich Extragequirlterdurchfall. Schau ich mir naemlich an, was da so "geshared" wird, scheine ich mich auf einem Basar der Aufmerksamkeitsoekonomie zu befinden. In aller Regel sogar gepaart mit der echten Oekonomie, wo ich auch noch meine Arbeitskraft und oder irgendein Produkt "sharen" moechte.

Ein echter Austausch ist selten wirklich gewollt. Doch wenn, was spricht dann eigentlich gegen eigene bzw. selbst gehostete Seiten, NewsLetter, Blogs, Galerien ? Warum lass ich mich durch gruselige Flickr-, FB-, Instagramm- Templates derartig vernordkoreanisieren ? Es ist wie immer irgendwas mit "Un" - in diesem Fall die UNfaehigkeit, das UNwissen, der UNwille.

So, und nun komm ich zum Fazit: Wer so komplett merkbefreit ist, dass er seinen UNkreativmuell auf den einschlaegigen Halden verklappen muss, der hat es auch nicht anders verdient, dass man ihn auf diese Weise benutzt, wie es FB, Instagram & Co. tun ... genauso wie das oben erwaehnte Stueck Kreide.

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