Welche Galerie darf es denn sein ?

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

Beinahe jeder der Fotos macht, moechte diese auch zeigen.  Die Anforderungen die man als Contributor (Fotograf, Bild-Agentur) hat und die, die der Rezipient (Bildredakteur, Kunde, Oma) hat, koennen denkbar unterschiedlich sein. Zum Beispiel wuerde der, der nur Dias fotografiert diese ungern auf Papier vorzeigen wollen, sondern eher als echtes Lichtbild mit Projektor, Klangteppich und so natuerlich vor grossem Publikum. Ein Bildredakteur benutzt eher seinen Lichttisch und kann auf Gedoehns gut verzichten. So ein Dia ist aber ein Original, welches der Fotograf natuerlich nur zoegerlich herausgibt. Der Kompromiss ist z.B. das teure Farbfoto.  Also so war das zumindest vor gar nicht allzu langer Zeit.

(Achtung ! Es gibt ein aktuelles (Dec 2015) Follow-Up zu diesem Artikel.)

Irgendwann haben sich die Fotografen mit den allgegenwaertigen CDs durchgesetzt und konnten ihre Dias behalten - Bildredakteure und Oma hats geaergert. Dann kam das Internet und der Fotograf konnte seine CD behalten - der Bildredakteur laechelte wieder, doch Oma wollte immer noch Papier oder LichtbildMitKlang&Enkel dazu. (Es gibt heute noch Fotografen, die Redaktionen oder Agenturen mit CD oder gar DVD belaestigen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass so etwas in der Rundablage endet.) Heute gibt es ganz hervorragende, direkt ans Internet angeflanschte Dienstleiter, die dann auch das gewohnte Papier an den eigentlich wichtigsten Rezipienten - naemlich Oma- liefert. Und sogar gemountet, gerahmt, als Tasse, T-Shirt oder Fruehstuecksdecke.

Interessanterweise -und keineswegs selbstverstaendlich- begann kurz nach dem Durchbruch des HTT-Protokolls auch der Siegeszug der Digitalfotografie. Internet und Digitalfotografie haben sich so unglaublich gegenseitig aufgeschaukelt, dass man heute von einer Bilderflut spricht. Und dies ist zuweilen durchaus negativ gemeint. Die meisten Fotos liegen heute digital vor. Papier, Dia oder gar Platten sind an den Rand gedraengt. Es gibt unzweifelhaft sehr viel mehr Bilder, als noch vor wenigen Jahren. Ob die Menge an “Guten Bildern”  auch zugenommen hat, darf allerdings bezweifelt werden.

Warum Vivian Maier ihre Fotos nicht verbreitet hat weiss ich nicht. Meine Vermutung, sie handhabte das wie alle anderen Fotografen auch, die nicht von Berufswegen ihre Werke veroeffentlichen, wie z.B. Journalisten oder Modefotografen, sondern zeigte sie nur ihrem kleinen Umfeld oder eben nur sich selbst. Eigentlich sehr schade, wie dieser konkrete Fall belegt. Heute kann JEDER seine Bilder veroeffentlichen und sie mit etwas Aufwand einem Millionenpublikum zugaenglich machen. Diese Moeglichkeiten hatten Maier und all die anderen nicht. Eine Nanny, die in NY zu einem Galeristen geht und den fragt, ob er mal eben schnell die Bilder von ihr ausstellt, waere im besten Fall stante pede herauskomplimentiert worden, noch wahrscheinlicher haette er die Polizei gerufen.

Internet und Digitalfotografie haben diesen ‘Gordischen Knoten’ in winzigste Atome zerhackt - gut so ! Wie gesagt, mit etwas Aufwand kann man seine Bilder heute umgehend und mit berechenbaren Kosten einem Millionenpublikum praesentieren. Je nach Rezipient kann das in einer der immer weniger werdenden Bildagenturen, einem der zahllosen Bild-Hoster wie Flickr&Co. oder eben in einer eigenen Bilddatenbank  stattfinden. Alle diese Angebote bieten den entspr. Contributoren/Rezipienten eine Fuelle an Moeglichkeiten. Nicht alle davon sind fuer alle Szenarios  geeignet.
 
Abgrenzungen

Galerie ist natuerlich nicht gleich Galerie. Galeriefunktionen bringen auch sehr einfache Plugins der ueblichen CMS Systeme mit. Diese simplen Galerien gibt es mit z.B. TROVEBOX und vielen andere auch als Stand-Alone-Versionen. Diese Programme koennen allerhoechstens ein Einstieg sein. Fuer Fotografen sind sie m.E. voellig ungeeignet.

Am anderen Ende gibt es ausgewachsene DAM-Systeme wie Canto Cumulus oder Art Systems Pro, die so ganz nebenbei auch eine Galerie mitbringen. Diese Systeme sind natuerlich sehr schoen und auch eine einzelner Fotograf wuerde die sicher gerne haben wollen, allerdings ist selbiger dann auch in kuerzester Zeit finanziell ruiniert. Die Zielgruppe dieser Wuchtbrummen sind Werbe-Agenturen, Verlage oder Kunst-Geschaeftsleute (ehem. Galeristen).

Zwischen diesen beiden Polen ist die Welt keinesfalls homogen. Da gibt es das weite Feld der Open Source Systeme. Dieses wiederum ist in “kommerziell” (4IMAGES) und “frei” unterteilt. Und dann noch zahllose proprietaere kostenpflichtige Systeme wie z.B. STOCKBOX PHOTO o. ae.

Um fuer mich die Spreu vom Weizen zu trennen, habe ich mir ein kleines Pflichtenheft gebaut.
 
Das Pflichtenheft
 
Ich mache ueberwiegend Auftragsarbeiten. Im Fotografensprech nennt man das Assignment (und keineswegs “Shooting”). Die Bilder, die in einem solchen Assignment entstehen, werden normalerweise exklusiv vom Auftraggeber genutzt. Es gibt dabei aber immer eine Menge Beifang. Dieser ist zuweilen noch leckerer, als das, was in die Verarbeitung geht. Der Beifang sollte nicht einfach wieder ueber Bord gehen, sondern kann je nach Vertrag zweitverwertet werden. Mitunter sind die Assignment so besch…, dass man auf eine Zweitverwertung angewiesen ist. Aber auch sonst ist es schade, wenn die Bilder auf irgendeiner Festplatte Staub ansetzen. Der Eine oder die Andere kann damit ja vielleicht was anfangen oder freut sich eben nur ueber die Bilder. Daraus leiten sich zwei Anforderungen ab:

  • Ich will die Bilder verkaufen oder
  • per CC (by-nc-sa) dem Rezipienten zugaenglich machen.

Bildredakteure oder Verlage suchen ueber Stichwoerter nach Bildern. Ohne Datum (Date), Ueberschrift (Caption) und Erklaerung (Description) ist fuer einen professionellen Bildsucher das Bild wertlos … so er es denn ueberhaupt findet. IPTC ist dabei ein weiteres sehr wichtiges Zauberwort.

  • Bildsuche ueber versch. Kriterien und Metadaten
  • Metadaten und IPTC, EXIF

Ich moechte bestimmte Bilder nicht der Oeffentlichkeit zugaenglich machen. Z.B. solche mit Personen drauf, von denen ich keinen Model-Release habe. Es gibt auch Bilder, die in bestimmten Regionen der Erde als anstoessig gelten (wie z.B. diese hier ...)  und manchmal moechte man ganz einfach nur private Familienbilder einem anderen Familienmitglied auf der anderen Seite des Planeten zeigen.

  •  User/Login/Registration - System mit Rechtevergaben fuer bestimmte Verzeichnisse, Tags, Alben usw.

Das ganze darf natuerlich auch noch gut aussehen. Zwar ist das einem echten Bildredakteur so egal wie der Wasserstand der Saale bei Calbe. Dennoch benoetigt er eine Bildvorschau, die schnell und die ausreichend gross ist. Aber alle anderen Besucher und -natuerlich Oma- moechten daneben auch was fuers Auge geboten bekommen. Schicke Templates sind wie Tapeten, die man irgendwann auch mal wieder ohne grossen Aufwand wechseln koennen muss. Systeme, bei denen man das Haus fuer einen Tapetenwechsel neu bauen muss, fallen heraus.

  •  einfaches Template Management

Jeder weiss, dass pro Assignment/Ausflug/Fotowalk eine ganze Menge Bilder zusammen kommen koennen. Nachdem diese verarbeitet, getagt und beschriftet sind, muessen die noch irgendwie in das System. Nach meiner Erfahrung ist es umso besser ist, je mehr Moeglichkeiten zum Upload bestehen. Manche Nutzer koennen  z.B. nicht die php.ini aendern um die max_upload_size zu aendern, andere benutzen kein Lightroom als Client, wieder andere brauchen einen Zugang, der schnell und im Hintergrund per rsync laeuft usw.

  • diverse Uploadmoeglichkeiten fuer diverse OS

Fuer mich bzw. fuer dieses Szenario ist besonders wichtig gewesen, dass es auf einem eigenen Server laeuft. Damit fallen die ueblichen Flickr, G+, 500px &Co.-Anbieter aus. Die Gruende liegen auf der Hand, nur so behalte ich die maximale Kontrolle. Ich kann sowohl die Distribution, Reichweite, Eigentumsverhaeltnisse, Kontext und die Kosten weitgehend unbeeinflusst selber bestimmen.

Dieser Server muss zudem auf einem unixartigem OS laufen, was Windowserver folgerichtig deklassiert. Letzteres betrifft z.B. GALLERYPRO.

  •  eigener unixoider Server

Es gibt noch vieles mehr, was man in die Liste mit aufnehmen koennte, aber je allgemeiner, desto laenger wird die Liste. Jemand anderem ist es evtl. wichtig, dass die Installation einfach geht, entfernte webDAV eingebunden werden koennen und so weiter.

Fuer den Test habe ich einen vServer bei Strato mit Ubuntu 12.04LTS/8GB/200GB/MySQL und dedizierter IP gemietet. Mit SSH kann ich an allen beliebigen Knoepfen drehen und ggf. benoetigte Pakete wie GD oder IMAGEMAGICK nachinstallieren. Besonders wichtig ist es natuerlich auch, dass man im Notfall irgendwie an seine php.ini herankommt.

Meine Auswahl

Diese Galerien sind nur im seltensten Fall allein auf Bilder beschraenkt. Fast allen ist es ebenso moeglich auch Filme, Dienstleistungen und Texte anzubieten. Gerade letzteres ist natuerlich interessant, wenn man einen Fotoblog betreiben moechte. Sie sind also eher CMS (Content Management Systeme) mit einem starken Fokus auf Medien.

Wer nach Gallery+Photo+CMS sucht, wird relativ schnell fuendig werden. Wenn man dann auf Aggregatoren stoesst , hat schon mal eine guten Start fuer den entscheidenden Featurevergleich.

Von den oben genannten CMS hab ich mich nach dem Featurevergleich entschlossen PIWIGO, ZENPHOTO, GALLERY3 zu installieren. Zusaetzlich habe ich (unfairerweise) noch KOKEN, und damit sich die CMS sich an einem bekannten Platzhirsch messen koennen, noch STOCKBOX hinzugenommen.

TROVEBOX hab ich erst erwogen, dann aber fuer zu leicht befunden und wieder verworfen. COPPERMINE wiederum haette sicher eine genauere Betrachtung verdient, aber da ich mir fuer den ganzen Vergleich nur eine Woche goennen wollte, habe ich das auch sofort wieder verworfen. Warum, das kolportiert eine  schoene Bemerkung: “it’s bloated like there’s no tomorrow”.  Das trifft in gewisser Weise auch auf 4IMAGES und GALLERY2 zu.

COPPERMINE und 4IMAGES sind genau wie GALLERY echte Veteranen des Geschaefts und schleppen erheblichen Ballast mit sich herum, weshalb ich die beiden ersteren aus Zeitgruenden weglassen musste. Zumal man davon ausgehen kann, dass alle drei sehr aehnlich sind. Ich hab mich daher fuer GALLER3 als Stellvertreter enschieden.

 GALLERY3 (ver. 3.09)

Was auf Coppermine und 4Images zutrifft, dass trifft auch auf GALLERY2 zu. Gluecklicherweise wurde mit GALLERY3 so ziemlich alles aus dem Kern entfernt, was nicht zu den grundlegenden Funktionen gehoert. GALLERY3 ist ein komplett neues GALLERY und hat mit GALLERY2 nur noch wenig zu tun. Dennoch koennen zahlreiche Module entweder zusaetzlich geladen werden, oder aber sie sind bereits im CMS deaktiviert vorhanden und muessen lediglich aktiviert werden.



Die Installation von GALLERY3 ist sehr einfach und auch die Serveranforderungen sind eher gewoehnlich. Die Zip-Datei wird von GalleryProject.org heruntergeladen, auf den Server gespielt, dort in einem beliebigen Verzeichnis ausgepackt und dann das Installationsscript mit dem Browser ausgefuehrt. Anschliessend eine entspr. Datenbank angeben und das Installationsscript macht den Rest.

Entsprechend dem neuen modularen Konzept musste ich erst die Module fuer IPTC, Paypal, Lizenz, Userverwaltung freischalten bzw. installieren. Dies ist aber schnell gemacht. Etwas Tricky ist, dass man auch die FTP-Funktionen mit dem Modul “ServerAdd” laden muss. Mit ihm ist es moeglich ganze Verzeichnisse mit Fotos in ein beliebiges Verzeichnis auf den Server zu spuelen und dann von dort ueber das genannte Modul mit der Datenbank zu synchronisieren.

Letzteres dauert aber enervierend lange und laesst zudem den Server ein bisschen aufdrehen. Ich habe testweise ca. 5,000 Bilder (45GB) hochgeladen und synchronisieren lassen, was insgesamt mehr als 8h gedauert und mindestens eine CPU zu 100% beschaeftigt hat. Erschwerend kam hinzu, dass ServerAdd die zu synchronisierenden Verzeichnisse nicht rekursiv abarbeitet. Es bleibt einem also nichts weiter uebrig als Album fuer Album und Unterverzeichnis fuer Unterverzeichnis einzeln zu synchronisieren.

Hat man die Bilder ordentlich verschlagwortet, zeigt GALLERY die artig an und auch die Suche findet nicht nur die Schlagworte selbst, sondern sucht auch in den Captions  und der Descriptions  (wichtig fuer Keyword-Muffel !) sowie in den IPTC Feldern.

Laesst man den Import und die Synchronisation mal beiseite, dann hat man sein Taylormade-Photo-CMS in ca. zwei Stunden am Laufen. Alles ist ausserordentlich robust und wohl auch sicher. Ab der ver. 3.10 sollen auch responsive Layouts und HTML5 unterstuetzt werden. Es gibt jetzt schon ein paar Workaround wie Swipe und andere, aber letztlich ist das m.E. eher Gefrickel, solange die Template-Engine das nicht nativ unterstuetzt.

Wann die neue Version fertig sein soll steht  in den Sternen. Wie auch COPPERMINE, 4IMAGES und andere OpenSource-Urgesteine, ist die Entwicklungsgeschwindigkeit etwas zu bedaechtig fuer meinen Geschmack.

GALLERY3 erfuellt alle o.g. Anforderungen, wenn auch mit wenig Eleganz, jedoch dafuer sehr sicher und sehr zielstrebig. Hat man genau mein Pflichtenheft im Kopf und will gleichzeitig kein Geld ausgeben, dann ist GALLERY3 das Mittel der Wahl.

ZENPHOTO (ver. 1.4.5.5 )

Auf dieses CMS hatte ich mich gefreut, da die auf Zenphoto basierenden Seiten sehr vielversprechend aussahen. Jedoch gelang es mir nicht auf Anhieb, das System (mehrere komplette Neuversuche, mit verschieden Installationsfiles und verschiedenen Installationsweisen) zu installieren. Auch lange Nachforschungen in Foren und in diversen Selbsthilfegruppen brachten nichts. Ich konnte dem Installer meine MySQL Datenbank einfach nicht schmackhaft machen. 



Der etwas kryptisch-unlogische Hinweis auf die PHP Version hat mich dann darauf gebracht, dass hier wohl mindestes PHP 5.3 benoetigt wird. Und tatsaechlich, damit ging die Installation recht einfach voran.

Zenphoto macht einen ausgeprochen professionellen Eindruck. Am besten war der Bilderimport. Die Bilder wurden mit dem Erscheinen (waehrend rsync) im Albenverzeichnis sofort synchronisert und zwar mit Keywords, Caption und Description !



Offensichtlich ist ZENPHOTO filebasierend und die Datenbank arbeitet mit den Zeigern auf die entspr. Dateien. Das hat einige Nachteile, aber auch etliche Performancevorteile wie man hier sieht.

Die Suche ist ebenfalls rasend schnell und erlaubt auch eine abgestufte Suche ueber diverse IPTC, EXIF und weitere Metadaten. Welche Metadaten ueberhaupt verwertet werden, kann man im Adminpanel angeben. Auch sehr schoen, dass die Tags unter dem Bild als Links angezeigt werden, dies erlaubt ein bisschen das Surfen zwischen den Bildern.

Ein ebenfalls nuetzliches Feature ist, dass man die Thumbnails (Alben und /oder Bilder) in Schwarz-Weiss anzeigen lassen kann. Das hat natuerlich was und wuerde ich ZENPHOTO benutzen, wuerde ich das wohl einschalten.

Weiterhin gibt es wohl ein Paypal-Plugin als auch ein Cart-Plugin. Doch um diese (externen) Plugins zu installieren, muss am Code herumgefrickelt werden. Dies ist genau das, was ich nicht moechte. Womit wir auch beim eigentlichen Problem waeren.

ZENPHOTO ist mir persoenlich zu offen. An jeder passenden und unpassenden Stelle werden Schnittstellen zur Codeeingabe angeboten und die Admins von ZENPHOTO erwarten vermutlich auch, dass man sich damit auseinandersetzen will. Will ich aber nicht. Und so geht es wohl auch vielen anderen Nutzern fuer die Zenphoto folgerichtig einen kostenpflichtigen Support anbietet.

Ein weiterer Wermutstropfen ist die Userverwaltung von ZENPHOTO. Es ist nicht moeglich, die Ansicht auf die Vorschau-Bilder (ca. 595px) freizugeben und gleichzeitig den Zugriff auf die Originaldatei zu sperren.

Acrylian (Developer) “Zenphoto has no individual rights control for the single image level and also not for non top level albums. Reasons are explained here:  "http://www.zenphoto.org/news/an-overview-of-zenphoto-users#zenphoto-users"

Das ist natuerlich bloed, denn ich will ja durchaus, dass sich jeder ohne Registrierung die Bilder anschauen kann und wenn er sich dann kommerziell oder via cc-by-nc-sa fuer ein Bild entscheidet, dieses nach einem (zwingend notwendigen) Login herunterladen kann. Zenphoto begruendet diese Einschraenkung mit Performancegewinn. Fuer mich ist dies allerdings ein echtes KO-Kriterium.

Fuer wen das nicht so entscheidend ist und wer gerne an PHP, CSS etc. herumschraubt, sollte sich auf jeden Fall Zenphoto anschauen. Von den OSS-Galerien ist ZENPHOTO eines der besten Systeme, die ich kenne.

PIWIGO (ver. 2.5.2)

PIWIGO war fuer mich anfangs eine echte Ueberraschung. Ich war erst etwas abgeschreckt, weil bei der Recherche vor allem franzoesische Seiten zu dem CMS aufpoppten. Doch die Sorge war unnoetig. Auf de.piwigo.org gibt es sogar eine ordentlich eingedeutschte Website zu sehen.

Der Unterschied zwischen piwigo.org und piwigo.com ist, dass auf der kommerziellen Seite auch gleich ein Hostingserver mit angeboten wird. Das finde ich eine sehr sinnvolle Option. Besonders dann, wenn man keine Lust hat sich mit der ganzen Serverei wie php.ini, GD, MySQLi und wie die magischen Woerter noch alle heissen, zu befassen. Preislich liegt das bei 39EUR im Jahr, was ungefaehr der Monatsmiete eines vServers entspricht (auch wenn das jetzt wie Apfel mit Birnen ist).

Hat man schon einen Server, dann macht es einem PIWIGO nochmals einfacher als viele andere. Man braucht lediglich einen kleinen Netinstaller auf den Server schieben und aufrufen. Der Installer laed dann die benoetigten Dateien, fragt nach der Datenbank und … fertig. Nach 10 min ist alles Wesentliche erledigt.



Piwigo hat die per ftp angebotenene Bilder in Windeseile gegessen. Allerdings stellte sich bei naeherer Betrachtung  ein grosses Problem heraus. Die Metadaten werden zwar nicht von den Originalfiles gestrippt, jedoch nur unvollstaendig in die verkleinerten Ansichten uebernommen. Ein EXIF-Rechtsklick auf das Original zeigt noch alle Daten an, doch weder in der Datenbank, noch in den verkleinerten Versionen sind die zu finden.

Caption und Description werden nicht kopiert bzw. gemappt. Nun koennte man mit SQL und etlichen CSS-Orgien diesen Fauxpas wieder beheben, aber das ist m.E. ein nicht mehr zu vertretender Aufwand. Ohne diese Metadaten ist die Software zum gegenwaertigen Zeitpunkt natuerlich fuer meine Anforderungen voellig unbrauchbar. 



Generell scheint PIWIGO lieber mit kleinen Bildern zu werkeln, denn diese etwas limitierenden Hinweise gibt es an verschiedenen Stellen. So z.B. im Sync-Tool “Copy some photos inside this directory, resize them for web display”. Fuer mich ist das natuerlich unsinnig, da ich ja auch auch die Originaldateien anbieten will. 

Die Suche konnte ich entsprechend nicht ausfuehrlich testen, allerdings ist sicher, dass die EXIF in den Originaldateien nicht durchsucht werden.

Die Anzahl der Plugins ist recht ueberschaubar und leider sind viele immer noch Flash basierend. Ebensowenig konnte ich responsive Layouts finden.  PIWIGO hat am Anfang richtig gut vorgelegt, aber hinten raus scheint ihnen die Luft ausgegangen zu sein.

Grundsaetzlich ist PIWIGO interessant und ich werde die noch ein bisschen auf meinem Radar behalten, doch in der gegenwaertigen Version erfuellt es leider nicht meine Anforderungen.

KOKEN (ver. 0.10.3)

Wie schon oben gesagt, KOKEN hier als echte Beta zu testen ist ausgesprochen unfair. Dennoch halte ich es fuer sinnvoll mal nachzuschauen, wo denn mit KOKEN die Reise hingehen soll.

KOKEN installiert sich genau wie PIWIGO mit einem Netinstaller und dies auch beinahe genauso schnell. Die Anforderungen sind die ueblichen "PHP 5.2.0, MySQL 5 or higher, ImageMagick or GD" .

Um es vorweg zu nehmen, KOKEN erfuellt z.Z. meine Anforderungen aus mehreren Gruenden nicht.

  • KOKEN will mit Kommerzialisierungen z.Z. noch nichts zu tun haben - es gibt bislang kein Shopping-Modul. Durchstoebert man die Diskussionen ein wenig, ist dies aber von der Community oft gefordert.  Ich bin mir ziemlich sicher, dass das irgendwann mal nachgereicht wird.
Todd Dominey May 23, 2013
 “Yann, if you  re asking whether Koken has ecommerce capabilities, the answer is no. That  s not something Koken offers.”
  •  Ohne dieses eCommerce Modul ist natuerlich auch eine feingranulierte Nutzerverwaltung nicht zu erwarten. Damit ist KOKEN zur Zeit nur auf die reine Praesentation (einer fuer alle) festgetackert.
  • Was fuer den aktuellen Test etwas anstrengend und deutlich gravierender war, dass ist das fehlende FTP Modul. Zur Zeit gibt es nur die ueblichen Uploader wie das allgegenwaertige Lightroom-Plugin oder eben einen Batch-Uploader.  Ich hab versucht die 500 Bhutan-Bilder mit dem Batch-Uploader in die Datenbank zu bekommen. Nach 40 Bildern und etlichen Stunden hab ich es dann dabei belassen. 

Todd Dominey Mar 05, 2013
Currently, no. The two options for uploading content to Koken include using the browser or our Lightroom publish services plugin. You can queue up a bunch of images though in the browser, so while 1000 may sound like a lot it would probably take less time than you think. If you go that route I  d recommend     just to be on the safe side     uploading them in batches of 100. Easier to keep track of things that way I think.

Ich mir sicher, dass diese Funktion sehr bald nachgereicht werden wird. Die Suche nach dem FTP-Upload ist die gefuehlt am meisten gestellte Frage im Forum.

  • Das endgueltige K.O. kommt allerdings durch die fehlende Such-Funktionalitaet. Fuer mich persoenlich ist eine Galerie ohne Suche eigentlich noch keine Beta, sondern bestenfalls eine Alpha-Version.  Diese ist nunmal essentiell, besonders wenn man sich ueberlegt, dass >1,000 Bilder heute voellig normal sind. Todd reagierte auf die immer und immer wieder nachgefragte Suche etwas schmallippig mit:
Todd Dominey Oct 07, 2013
 Thanks for the feedback. This is something we plan on looking into.

Neben der vielen Kritik nun endlich das Positive. Die Bilder werden nach dem Import ordentlich mit Captions und Descriptions dargestellt und zwar auch gleich in der responsiven Variante.



Die Oberflaeche ist sauber und aufgeraeumt und ohne grosse Einarbeitung zu benutzen. Das Admin-Panel von KOKEN macht wirklich Spass. Neben der ganzen Fotofunktionalitaet bringt KOKEN auch gleich noch die Moeglichkeit mit, einen eigenen Blog dazu zu tun. In KOKEN etwas geschwollen “Essay” genannt.

Eine WP- oder JOOMLA- Bridge konnte ich nicht entdecken, allerdings eine fuer DRUPAL. Ich denke, gerade auf die Bridge von WP werden so einige warten.

KOKEN hat zweifellos Potential, ist aber noch einige Meilen Fussweg von einer brauchbaren Edition entfernt.

STOCKBOX (Enterprise 5.2)

So wie es etwas unfair ist KOKEN mit vollwertigen Galerien zu vergleichen, so ist es sicherlich auch unfair STOCKBOX hier antreten zu lassen. STOCKBOX ist ein ausgesprochen professionelles System, das aber auch seinen Preis hat. Es ist eigentlich dazu gedacht, eigene Stockagenturen hochzuziehen und somit auch weiteren Contributoren eine Platform zu bieten, ueber die sie ihre Bilder verkaufen koennen.

Mit dem grossen Agentursterben 2010-12 nahmen immer mehr Fotografen bzw. Fotografenvereinigungen die Vermarktung ihrer Werke in die eigene Hand. STOCKBOX war zu dieser Zeit fuer die meisten das Mittel der Wahl - kannte man ja aus der Agentur.



Heute geht es nicht mehr nur darum ein Bild einfach nur so zu verkaufen, es ist vielmehr noetig, dass der ehemals weitgehend anonyme Fotograf seinen Werken nun ein Gesicht gibt. STOCKBOX hat (fuer seine Verhaeltnisse) erstaunlich schnell reagiert und dem System 2012 mit ver. 5.1 eine Lightroom Schnittstelle spendiert. Agenturen konnten mit sowas nie wirklich etwas anfangen. Ueberhaupt wurde mit 5.1, Stockbox viel fotografenfreundlicher. Die Version 5.2 setzte diesen Trend entsprechend fort und ist heute m.W. das einzige System dieser Klasse, mit diesen Funktionen und dieser Unterstuetzung mobiler Geraete.

Installation, Templateanpassung und sogar die regelmaessigen Updates sind nicht trivial. Die Installation und der 12 monatige Support sind im Kaufpreis von 1,099USD enthalten. Man kommt aber m.E. nicht umhin, nach einem Jahr auch noch ein Jahresticket von 240USD zu ziehen. Im jaehrlichen Subscriptionpreis ist die Installation der eventuellen Updates natuerlich nicht enthalten. Das kostet nochmals 150USD. Fuer manche Anwendung bzw. Nutzer ist das sicher zu viel, besonders dann, wenn man noch die Servergebuehren von ca. 30EUR/m dazurechnet. Auf drei Jahre kalkuliert kostet mich ein solches System inkl. Server also gut 1,100EUR/a bzw. 91EUR/m

Wer aber diese Kosten durch seine Verkaeufe wieder herein bekommt, der sollte sich diese Option sehr gut ueberlegen, denn es gilt gerade bei der ganzen Computerei, dass man sich sehr schnell mit der Zeit vertut (wie mir auch wieder dieser Test gezeigt hat). Man sollte bei der Entscheidung immer im Kopf behalten:

Jede einzelne Minute, die man mit seiner IT verbringt, geht unwiederbringlich beim Fotografieren verloren !

 Bei Stockbox ist es lediglich von der darunter liegenden Maschine abhaengig, ob ich 500,000+ oder nur 100 Bilder, Filme oder andere Items verwalte. Es erfuellt alle oben genannten Anforderungen ohne zu zucken und beschert einem zusaetzlich eine Fuelle weiterer Moeglichkeiten, die selbst Coppermine gruen vor Neid werden lassen.



Was alles moeglich ist, zeigt die Featureliste auf eindrucksvolle Weise. Weiterhin interessant ist die integrierte Hilfe. Diese Hilfe-Dokumentation ist ebenso ein wesentlicher Unterschied zu den bekannten Open-Sources. Es wird Wert auf eine ausfuehrliche und nachvollziehbare Dokumentation gelegt. Das zeitfressende Reisen durch Foren, Listen, HowTos etc. pp. entfaellt bei STOCKBOX. Der Support loest die Probleme nach meinen Erfahrungen zuverlaessig, wenn auch leider etwas langsam. Bei allen Tickets, die ich bislang geloest hatte, musste ich mindestens 1x per Mail nachhaken, bis sich mal was tat. Durchschnittlich muss man mit 72 Stunden bis zur Loesung rechnen.

Fazit

Ich will jetzt und hier nicht zuviel Werbung fuer Stockbox machen, doch gemessen an den hier vorgestellten Systemen waere es auch heute wieder das System meiner Wahl.

Zenphoto waere ebenfalls interessant, wenn nicht diese schreckliche Userverwaltung  waere. Ausserdem schreckt mich der Verwaltungs-Aufwand bei Zenphoto, denn man muss gewahr sein, dass mit dem naechsten Update alle Anpassungen wieder obsolet werden. Der angebotene kostenpflichtige Support ist mir etwas zu wenig greifbar und somit auch nicht kalkulierbar.

PIWIGO und KOKEN sind in ihrer Entwicklung noch nicht soweit, dass man sie ernsthaft fuer ein produktives System in Erwaegung ziehen sollte.

GALLERY3 ist zwar hausbacken und auch ein bisschen ugly, aber dafuer erfuellt es saemtliche oben genannte Anforderungen - und zwar sicher und zuverlaessig. Das ist sicher das Privileg des Alters. Doch auch SW hat seine Lebenszyklen und das Bergfest von GALLERY3 (und COPPERMINE, 4IMAGES) ist m.E. schon eine Weile her.

Mein Rat waere sich genau zu ueberlegen, was man eigentlich haben moechte. Man sollte sich auf keinen Fall an der Menge der angebotenen Features orientieren, sondern ausschliesslich nach deren Nutzen fuer die eigene Anwendung entscheiden. Hat man denn endlich sein eigenes Pflichtenheft gebastelt, kommt man um einen eignen Test nicht herum.


Link zu meiner Stockbox Photo Datenbank:
STOCKBOX

 

  • Dirk

    Vielen Dank für diesen Artikel !

  • Hallo zusammen,

    danke für den Artikel. Ich habe noch eine Software entdeckt: cheveroto (https://chevereto.com/). Ist nicht kostenlos, aber mit 90 Euro sehr günstig. Daher habe ich selbst eine Seite damit aufgesetzt: http://tompixx.com


    Viele Grüsse
    Tom

  • Interessant ! Werde ich mir mal genauer ansehen. Was ich beim Ueberfliegen nicht gesehen habe, gibt es in der Software auch ein Verkaufsmodul ?

  • Hallo Sven, ich stehe gerade vor einer ähnlichen Frage und bin daher auf deinen interessanten Artikel gestossen. Frage: Hast du dir mal Pixtacy angesehen oder hast du solche Lösungen bewusst ausgelassen?
    LG Thomas

  • michalldo

    Good sharing.

  • K.Reichert

    Vielen Dank für den auschlussreichen Artikel. Ich arbeite bereits mit Coppermine und bin wie Sie der Meinung dass das 'Bergfest' der SW überschritten ist und bin unschlüssig was für mich in Frage käme für einen Relaunch der Seite. Was mir von flickr gefällt, ist dass man Bilder gleichzeitig in verschieden Alben ablegen kann. Kann man das mit einer der von Ihnen beschriebenen Galerien?

    Vielen Dank schon mal und immer gutes Fotolicht:-)

  • Hallo K.Reichert, jep, Coppermine ist wohl eine Sackgasse fuer die Zukunft. Gallery hat ja nun auch das Zeitliche gesegnet. Nun ist mein Artikel auch schon ein wenig aelter. .... und braucht dringend ein FollowUp. Da arbeite ich gerade dran. Muss aber ein bisschen um Geduld bitten. Nur soviel, die anderen besprochenen haben sich mittlerweile auch weiterentwickelt. Wobei ich Koken immer weniger empfehlen kann (siehe auch http://foto.nsonic.de/koken-eine-zerbrochene-liebe/)

    Ich unterscheide ja grundsaetzlich zwischen eigenem Hosten und der Benutzung eines 3rd-Party-Anbieters. Ich bin nach wie vor der Meinung, man sollte eher seinen eigenen Server "staerken" und die anderen Dienstleister als Referenz und Werbekanal nutzen. Also: saemtlicher Inhalt auf die eigene Seite - und auf die anderen Anbieter inkl. soziale Medien nur das, was noetig ist, um die Leute auf die eigene Seite zu holen.

    Die anderen Kanaele erhoehen zweifellos die Aufmerksamkeit -aber wie das Beispiel Flickr zeigt- muellen sie den Rezipienten auch mit dem Inhalt der anderen gefuehlt 10Billionen Nutzer zu. Und so folgt folgerichtig, dass zwar eine grosse Aufmerksamkeit aber kein Impact(*) erzielt wird. Ich kenne z.B. auf G+ einen Fotografen, der zwar dort Millionen Follower hat, aber explizit auf diesem Wege noch nie einen Auftrag eingefahren hat. Und dies ist tatsaechlich symptomatisch. Es zeigt, dass sich die Nutzer nur auf einer eigene dedizierten Seite auch wirklich intensiv - z.B. mit mir - befassen.

    (*) Man verzeihe mir den Anglizismus, aber "Wirkung" trifft es nicht so ganz und "Einschlag" ist mir dann wieder zu bullig. Also irgendwas dazwischen.

  • Henner Wasenitz

    Leider scheint Gallery die Weiterentwicklung und Pflege einzustellen...
    http://galleryproject.org/time-to-hibernate

    Gruß Henner

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