Leica M(240) im beruflichen Einsatz II

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

titel1 2015Vor einiger Zeit hatte ich einen Gastkommentar fuer die Lichtknoten-Webseite geschrieben, in dem ich mich darueber verbreiter, dass die Leica M(240) auch oder besonders fuer den beruflichen Einsatz geeignet waere. Das klingt so ein bisschen wie eine Entschuldigung. "Ja, ich hab die mir gekauft ... ich brauch das beruflich." ... So kommuniziert man fuer gewoehnlich seinem Partner gegenueber, wenn man haenderingend nach einem Grund fuer den Kauf eines neuen Spielzeugs sucht.

 cutsnecNun ist es nicht so, dass ich nun nur noch mit der Leica fotografieren wuerde. Aber der Einsatz, insbesondere wenn ich unterwegs bin, ist sehr von der kleinen M dominiert. Ein bisschen Unsicherheit bleibt dann aber doch.

Ich sprach ja vom beruflichen Einsatz. Es geht hier also klar um das Geschaeft. Ich bestimme nicht, ob ein Foto fuer ein Magazin genommen wird oder nicht. Und dem Bildredakteur sind die EXIF-Daten ziemlich egal. Der beurteilt ein Bild nur danach, ob es zum Artikel bzw. zum Magazin passt. Hinzu kommt, dass man die eigene Arbeit gaenzlich anders beurteilt als derjenige, der die Bilder auswaehlt.

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Ich gebe das gerne zu, dass ich so einige aehnliche Bilder, die fuer eine Veroeffentlichung vorgesehen waren, dann tatsaechlich mit zwei Kameras gemacht habe. Das mag wenig konsequent erscheinen ... aber wie gesagt, es geht ums Geld ... und da nehm ich den Vorwurf in Kauf.

Umso erleichterter bin ich nun, dass die Bilder mit der Leica M(240) sich durchweg gut oder besser schlugen, als vergleichbare Bilder mit aehnlichen Motiven und mit anderen Kameras aufgenommen wurden. Rueckblickend auf das letzte Jahr habe ich deutlich mehr Leica-Bilder als von allen anderen Kameras in Magazinen untergebracht. Und da ist Online noch nicht mal dabei, weil das Agenturgeschaeft ist und ich keinen Ueberblick habe, was da tatasaechlich verkauft wurde.

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings. Nicht ein einziges Schwarz-Weiss-Bild wurde kommerziell verwertet. Kann natuerlich sein, dass meine SW-Bilder durchweg Mist sind, aber so recht glaub ich das ja nicht. Viel eher vermute ich, dass Bildredakteure dies ihren Kunden nicht zumuten moechten. Etwas bissig koente man nun formulieren, das ist exakt der gleiche Grund, warum im Fernsehen nur noch Soaps, Kochen & Schlager laeuft. Ich wuerde mir diesbezueglich einfach mehr Mut wuenschen.

titsnecIst schon klar, gerade die hier abgebildeten Bilder wirken vor allem durch die Farbe, aber Portraits brauchen das z.B. nicht bzw. selten. Manchmal sind die SW-Portraits sogar ausgesprochen gnaedig - Stichwort rote Nasen, Hautfarbe ...

Ein anderes Problem ist, dass sich gerade so eine haessliche Bildsprache in manchen (Online-)Magazinen durchgesetzt zu haben scheint. Offensichtlich werden besonders gerne kuerzlich Verstorbene schwarzweiss abgebildet. Da koennt ich mich so richtig drueber aufplustern. Wenn man das konsequent zuende denkt, wird dann zum 5-jaehrigen Todestag ein fast voellig ausgeblichenes Bild gezeigt und nach 100 Jahren ein haeufchen Staub ... oder wie ? Vielleicht braucht so ein Redakteur einen Deceased-Instagramm-Filter, in dem man nur noch das Todesdatum eingeben muss ? Liebe Bildredakteure - lasst den Scheiss und befasst euch bei der Auswahl der Bilder des Toten lieber mit dessen Leben - und nehmt mehr SW-Bilder von Lebenden !


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  • Tom Bergh

    Das Meiste in Ihrem Artikel (eigentlich alles bis auf die Tatsache, dass ich meine Kameras nicht mit meiner Partnerin bespreche ;-) kann ich voll bestätigen. Auch ich habe inzwischen fast nur noch M's im täglichen Einsatz (Studio, Industrie, Natur, Architektur und manchmal etwas Repro). Der Schritt war aber nicht ganz einfach, manches Mal hatte ich noch eine Alibi-Hasselblad dabei und die Kunden waren gegenüber der kleinen M äußerst skeptisch! Aber inzwischen ist es umgekehrt - komme ich jetzt aus Nostalgie mit Mittelformat an, dann stöhnen die Leute schon, weil sie davon ausgehen, dass alles noch länger geht. Also, die M ist gar nicht so langsam, wie manche immer glauben und gute Fotografie kommt eben nicht von Dauerfeuer/ein Bild wird schon dabei sein, sondern setzt ein gutes Auge, Kreativität und gutes Equipment voraus. Ganz wichtig auch: Um den Wert einer Leica M wirklich beurteilen zu können (und ob sie überhaupt zur eigenen Arbeitsweise passt) braucht man viel Zeit und die Bereitschaft zu weitestgehender Unvoreingenommenheit.

    Ich wünsche mir jetzt von der Firma Leica, dass sie ihre Verantwortung gegenüber den Berufsfotografen ernster nimmt und auch im Bereich Fachfotografie, der seit der Digitalisierung stark vernachlässigt wurde (teils wegen zu teurer Sensorgrößen) jetzt endlich mal Signale setzt. Dazu ist eine bewusste Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen dieser Sparte dringend notwendig.

    Das mit dem "Menno" wusste ich auch nicht - es ist bei uns (ehem. franz. Besatzungszone!) tatsächlich ständig zu hören ;-)

  • SW ist zu arty und elitaer, das geht nur mit Instagramm Filtern und ausserdem lenkt die Farbe ja vom Bildinhalt ab und ist somit absolut trendy!

  • LFI, Brand Eins und andere machen da ja Ausnahmen. Aber die kennen mich nicht ... Menno !

    (Weisst du eigentlich, dass "Menno" von "Mais Non" kommt und von den Kindern in der franz. Besatzungszone verballhornt wurde ?)

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