Wir verwerten uns zu Tode ...

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Diverse

de gemaZugegeben, ein Artikel ueber GEMA-gesperrte Videos auf Youtube ist ungefaehr so originell wie: Gnihihi ... die trinken Tomatensaft ... im Flugzeug. Dennoch halte ich die Wunde gelegentlich und gerne offen. Mir faellt da auch mehr zu ein, als zu Tomatensaft ... Anlaesse gibt es auch mehr. Ausserdem passt es ganz gut zu der aktuellen UrheberrechtsVerwerterrechtsnovelle mit der man die Panoramafreiheit verbieten moechte. Wobei, diese Aussage ist nicht so ganz korrekt. Niemand will etwas verbieten ! Das ist eher so ein Kollateraldingens ...

Man moechte schlicht alles und jeden kommerzialisieren - zu Geld machen. Voellig wumpe, ob alles, jeder oder etwas einem gehoert oder nicht. Fuer diesen Part hat man schliesslich Politiker und nennt sich Privatisierung*. Wenn man dazu ein Verbot braucht - auch gut. Ist doch schoen, wenn man fuer Fotos von irgendeinem Gebaeude, Statue, Strassenzug ... mal so ganz leistungslos Zaster verlangen kann - oder ? Ob ich nun Plastikflaschen mit Wasser der Allmende fuelle, "einen Rohstoff aus öffentlichem Eigentum verbrauchen, um einen anderen Rohstoff für private Energieunternehmen zu fördern", fuer Bloggers Text Leistungsschutzgeld erpresse, Student-Loans verwuchere, mir fuer gemeinfreie Fotos eine lustige Gebuehr ausdenke oder eben fuer freie Musikstuecke abkassieren moechte, wie die GEMA das taeglich praktiziert.

Diese Form der Wegelagerei nennt sich Kapitalismus, ist voellig legal und ist nicht gut. Letzteres bemerkt man aber meist zu spaet. Bzw. man denkt, man koennte an diesem Geschaeft irgendwie partizipieren und spielt erst mal mit. Frueher nannte man diese Spacken Stehkragenproletarierer. Heute sind das z.B. Fotografen die fuer eine Staerkung des Urheberrechts streiten und vor lauter Krakelerei gar nicht merken, wie sie von den verwertenden Leistungsschuetzern gef**** ... aehmm ich meine am Nasenring durch die Manege gezogen werden. Nur um es klar zu stellen, man ist man meist nicht selbst, sondern das sind die, die auf dem grossen Haufen sitzen, auf den der Teufel so gerne scheisst - die 1% oder wie man sie sonst noch so liebkost. 

Ich weiss, ich weiss, da kommen gleich so Argumente wie die VG Wort oder die GEMA schuetten ihre Einnahmen an die Urheber aus und so. Aber stimmt das denn ? Ich habe z.B. gerade eine Podcastfolge mit dem Musikstueck Swanee von Al Jolson auf Youtube hochgeladen. Das Stueck wurde 1920 von Al Jolson gesungen. Es wurde 1919 von niemand geringerem als George Gershwin und Irving Caesar komponiert und getextet. Auf der englischen Wikipedia kann man es entspr. auch problemlos unter der CC-Lizenz herunterladen. Wenn nun Google der GEMA Geld fuer irgendwelche virtuellen Rechte bezahlen wuerde, wer wuerde das bekommen ? Gershwin, Jolson, Caesar oder die schier unendlichen Massen deutscher Erben ? Und wieso kann sich GEMA ueber eine CC-Lizenz mal eben so hinwegsetzen ? (Btw. besitzt GEMA auch unser Grundwasser ?) Durch die selbst beigebrachte GEMA-Vermutung ?

de gema

Das erinnert mich immer an diesen Mathematikerwitz, in dem der Mathematiker, welcher mit dem Einfangen von Schafen betraut ist, einen Kreis um sich zieht, auf den Boden zeigt und Definiere Aussen! postuliert. Das kann man machen, hat aber mit der Realiaet nur wenig gemein und zeugt im Falle der GEMA meines Erachtens weniger von der Weltfremdheit eines verzweifelten Mathematikers, sondern ganz schlicht von der dreisten Gier einer Institution die es tut, weil sie es kann.

Fazit: Kapitalismus geht vielleicht nicht man, aber mir so richtig auf den Sack. 

(*) Was fuer ein schoener Euphemismus fuer das alte deutsche Wort Raub.

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