Da brat mir doch einer 'nen Storch.

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Erneuerbare Energien

Manchmal sieht man zwei voellig unterschiedliche Dinge, die sich auf eigenartige Weise zusammenfinden lassen - wenn man sich nur genug Muehe gibt. Normalerweise ist das ja auch der Boden, aus denen VT spriessen. Zwar liebe ich unterhaltende VT, jedoch bin ich auch Fan des wissenschaftlich-kritischen Denkens. Daher solle der folgende Beitrag nur ein Anstoss sein, selber weiter zu denken ...

 

Fuer mich persoenlich ist es keine Frage, dass der 'Point Of No Return' bezueglich der Erneuerbaren Energien bereits ueberschritten ist, wenn auch manche alte Maenner sich da albernenen Illusionen hingeben moegen, dass es nicht an dem sei. R.Koch zur Photovoltaik: „In 10 Jahren ist diese Technik ein Fall für das historische Museum“. Ich persoenlich nenne sowas FUD. Egal wie ... die RE lassen sich nicht mehr ignorieren und sie haben zunehmend einen Einfluss auf das existierende Wirtschaftgefuege der Welt.

 

So muss man wissen, dass R.Koch diesen interessanten Einwurf am 08.11. aufs Tapet brachte. Am 06.11. liess die beliebte Rating Agentur Moody's verlauten "Wind and solar power will continue to erode thermal generators' credit quality" - soll wohl ungefaehr heissen, 'wenn ihr da in Europa noch mehr EE baut, dann stufen wir eure Energiewirtschaft runter ... aber so richtig.' So was macht einen alten „Sozialdemokrat ohne Parteibuch“ wie Herrn Clement dann vielleicht doch bange und er assisterte Herrn Koch dann auch gleich auf der selben Veranstaltung.

 

Moody's weiter, "European utilities can hope for favourable new policies such as capacity payments but these may be difficult to achieve in the context of affordability. Ultimately, renewable companies, utilities and network operators may be forced into a three-way lobbying battle to secure a share of the total revenue pot. Utilities must therefore adapt to this new paradigm or risk being squeezed out."

 

Ja, diese "lobbying battle" ist natuerlich laengst entbrannt. Leider haben das grosse Teile der EE-Wirtschaft in EU/US noch nicht wirklich begriffen - sonst wuerden sie sich naemlich nicht vor den Karren einzelner weniger Firmen spannen lassen, die Angst haben gezahlte Subventionen zurueckgeben zu muessen. Statt bei Moody's zu lesen, erkennt man treffsicher den Feind beim Mitbewerber - so wird das natuerlich nichts. 

 

Keine Frage, Kochs, Clements ... und wie sie noch alle heissen moegen, Aussage(n) hat nur sehr wenig mit der Realitaet gemein und hat zudem wenige argumentative Pfeiler in der realen Welt da draussen. Jeder weiss, dass wenn etwas zu Ende geht, dann muss man sich Ersatz schaffen. Aus Kutschen werden Autos, aus Marktschreier werden Zeitungen usw. usf. Endliche Ressourcen enden nun mal. Dies ist die reale Welt. Auf ein Oel-Manna zu warten, das vom Himmel gesendet wird, kann man durchaus originell finden, aber hat mit Verantwortung gegenueber 7,000,000,000 Menschen rein gar nichts zu tun. Das ganze nennt man Entwicklung und die vollzieht sich voellig unabhaengig davon, ob es einem Koch, Clement, Kutschenbauer und Marktschreier gefaellt. Entwicklungen kann man nicht aufhalten, verzoegern kann man sie allerdings.

 

Also fast ... So richtig geht das mit dem Verzoegern heute -in einer globalen Welt- auch nicht mehr. Ein Beispiel: Waehrend sich die EE-Industrie in EU/US gerade versucht selbst ins Grab zu befoerdern, indem sie eine in meinen Augen hoechst alberne und auch gefaehrliche Anti-Dumping-Nebelgranaten zuendet (so eine Art "Leistungsschutzrecht fuer Solar"), wird dieser selbstverschuldete "Unterdruck" anderswo ganz locker wieder ausgeglichen.

 

Vor mir liegt die Auswertung einer aktuellen Umfrage unter Firmengruendern in China, die von der CYzone.cn veroeffentlicht wurde. CYzone befragte insgesamt 551 Existenzgruender in ganz China u.a., in was fuer einer Branche sie gestartet sind und wie sie ihre Startbedingungen einschaetzen. Das ueberraschende ist nicht so sehr, dass der Schwerpunkt der Gruender insgesamt sehr IT-lastig ist, sondern dass Platz 4 die Gruendungen im Bereich Erneuerbare Energie (New energy) einnimmt. Insgesamt gaben 11.3 % von den Befragten an, in dieser Branche 2012 gestartet zu sein.

 

(Quelle: Sven Tetzlaff/ cyzone.cn)

 

Und waehrend die peinlichen Solar-Leistungtsschutz-Rechtler jeden Mitbewerber sofort zum persoenlichen Feind erklaeren zu scheinen, so geben 41.6% von den Gruendern in China an, dass sie es mit einem sehr hohen Wettbewerb und Barrieren zu kaempfen haben. 47% sehen die Konkurrenz eher moderat und 11 % sehen kaum Wettbewerb. Wobei man hier vielleicht noch anfuegen muss, das geringer oder moderater Wettbewerb in China ungefaehr das ist, was man in EU "beinhart" nennt.

 

(Quelle: Sven Tetzlaff/ cyzone.cn)

 

Ich werde naechste Woche zur Intersolar Conference nach Beijing fahren, wo das Thema der "20 anonymen EU-ProSun Aktivisten" sowie die EE-Jobmaschine China sicher wieder ein Thema sein wird. Man koennte ja meinen, das es egal waere, wenn in EU die Arbeitsplaetze wegfallen und in China neu entstehen, ist es aber nicht. Viel eher lassen die Indizien bezueglich Peak Oil und globaler Erwaermung es vielmehr angeraten zu sein, dass in jedem Land mindestens 11% der Neugruendungen im Bereich EE stattzufinden haben, statt immer nur vorne aufzubauen, was man mit dem Hintern einreisst.

 

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