Joint Forces For Solar

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Erneuerbare Energien

Ich hatte letztens die Gelegenheit mit Frau Daniela Schreiber (Director, EuPD Research) ein etwas laengeres Interview zu fuehren. EuPD Research hat zusammen mit der Intersolar eine Initiative gestartet, die sich "Joint Forces For Solar" nennt. Die meisten Leser kennen diese Initiative sicher, aber mir ging es im Interview besonders um das Spannungsfeld Antidumping/ China/ EU-Hersteller. Ich persoenlich halte die Bestrebungen einiger Firmen, ihre Claims durch Protektion zu sichern, fuer falsch und grundsaetzlich kontraproduktiv. Oder noch konkreter, ich denke das Initiativen wie z.B. von Solarworld initiiert, der PV mehr, nachhaltiger und grundlegender geschadet haben und weiterhin schaden, als alle Bremskloetze seitens der konkurrierenden Energiewirtschaft.

Sven Tetzlaff: Was ist “Joint Forces for Solar” und was machen die ?

Daniela Schreiber: Die “Joint Forces for Solar” (JF4S) gegründet von EUPD -Research und Intersolar, hat sich zum Ziel gesetzt, die globale Solarindustrie zu unterstützen und zwar in dem Sinne, dass nicht nur ein Dialog geschaffen wird zwischen den Beteiligten der gesamten Wertschöpfung, sondern auch mit den Stakeholdern wie Politiker, Regierungen, Forscher, Experten usw.

Wir bringen sie auf einer gemeinsamen Plattform zusammen, auf der sie anhand der Marktdaten, die wir dort präsentieren, auch fundamental und fundiert miteinander diskutieren können.

Die Initiative folgt dem Motto “Global-Lokal”.

Die Initiative folgt dem Motto “Global-Lokal”. D.h. sie ist global, weil sie auf allen Kontinenten vertreten ist - also besonders in Europa, Nordamerika und Asien und insbesondere hier in China. Wir werden uns aber auch dieses Jahr in den mittleren Osten bewegen - und lokal deswegen, weil wir auf die lokalen Gegebenheiten eingehen - lokale Marktteilnehmer direkt ansprechen und helfen, gemeinsam Probleme zu lösen und Herausforderungen zu meistern.

Tetzlaff: Wenn man so will, ist die JF4S eine NGO im Bereich Solar ?

Schreiber: Kann man so ausdrücken - ja.

Tetzlaff: Der chinesische Markt unterschied sich in der Vergangenheit ja sehr grundlegend von den anderen Märkten. Es ist es doch sicher eine Herausforderung China dabei zu haben und dies zu den anderen Marktteilnehmern zu kommunizieren ?

Schreiber: Absolut richtig, der chinesische Markt ist ein sehr spezieller Markt. Daher haben wir uns auch vor 2 Jahren entschieden, ein erstes mal ein JF4S-Event in China durchzuführen. Es geht langfristig auch darum, den lokalen Markt zu unterstützen.

Ein funktionierender nachhaltiger Markt, ist nicht nur durch eine bestehende Infrastruktur hinsichtlich herstellende Industrie komponiert, sondern es geht auch darum, lokalen Marktteilnehmern die Chance zu geben Installationen umzusetzen und damit auch nachhaltig und langfristig die chin. Bevölkerung durch Erbeuerbare Energie vor Ort zu unterstützen. Dazu ist es nötig, dass man nicht nur versteht, wie funktioniert der Markt, sondern das man sich auch genau anschaut, wer oder was die Markttreiber sind. Es geht weiter darum, dass man hier einen Erfahrungsaustausch ermöglicht, da ja andere Regionen wie z.b. Europa schon auf ausreichende Erfahrungen hinsichtlich Marktentwicklung, Industrieentwicklung usw. zurückgreifen können. Von diesen Erfahrung kann man lernen. Die JF4S Initiative ist sozusagen ein Bindeglied, was nicht nur in die etablierten Märkte schaut, sondern auch in die Emerging Markets und diese unterstützt und entwickelt.

Tetzlaff: Die Mechanismen, dass scheinbare oder tatsächliche Verletzungen der WTO-Richtlinien benutzt werden um protektionistische Systeme in Gang zu setzen, ist ja beinahe dabei in der PV eine art eine Seuche zu werden. Die Amerikaner haben damit begonnen, in der EU sprang man auf den Zug auf, in Kanada lief es lange Zeit, aber auch Indien usw. Übertragen auf deutsche Verhältnisse nenn ich das gerne "Leistungsschutzrecht fuer Solar". Daher meine Frage, gibt es da eine klare Position von JF4S diesbezüglich.

Wenn man sich anschaut, dass die EU überhaupt prüft, scheint dies einen

gewissen Tatbestand zu erfüllen.

Schreiber:  Die Organisation EUPD Research, die natürlich ein Teil der Initiative ist, schaut sich natürlich an, was im Markt passiert und welche Auswirkungen die Schutzzölle tatsächlich auf die Industrie und die lokalen Gegebenheiten hat. Dennoch ist es ganz klar eine gesetzliche Debatte, die hier geführt wird. Wenn man sich anschaut, dass die EU überhaupt prüft, scheint dies einen gewissen Tatbestand zu erfüllen. Was aber nicht unbedingt bedeutet, dass wenn der Tatbestand nachgewiesen wird, dann auch tatsächlich Schutzzölle eingeführt  werden.  Dann wird  die EU aus unserer Sicht noch überlegen, welche Nachteile und welche Vorteile haben diese Entscheidungen denn tatsächlich.

Wir haben in den USA gesehen, als diese Entscheidung getroffen wurde, dass auch entsprechend mit Gegenklagen gerechnet werden muss. Es ist in gewisser Weise auch ein sehr absurdes Spiel, was hier gespielt wird. Gerade die USA sind eben auch Hauptexporteur von Polysilizium.

Man muss man sich hinsichtlich der lokalen Industrie genau anschauen, ob es denn den erwünschten Effekt, also das man die lokale Zell- und Modul-Herstellender unterstützt und dies tatsächlich lokale Arbeitsplätze schafft, erzielt. 

Oder ist es dann nicht tatsächlich eher so, dass andere Möglichkeiten gesucht werden, z.b. Herstellung in Taiwan oder andere Schlupflöcher genutzt werden, die es ja durchaus gibt - und ob mit Gegenklagen zu rechnen ist, welche sich dann wieder negativ auf andere Teile der Wertschöpfung durchschlagen können. Ich glaube, diese Überlegungen wird auch die EU anstellen und erkennen, welche Vorteile und welche Nachteile stehen sich gegenüber.

Wenn man merkt, dass die Industrie gegeneinander kämpft, dann kann sich

das auch negativ auf die Nachfrage auswirken.


Was aus unserer Sicht nicht zu vergessen ist, ist die langfristige Auswirkung auf den Endkunden. Wenn man sich z.b. anschaut, dass eine Entscheidung fuer Solar mit einem gewissen Investment verbunden ist und auch das Vertrauen vorausgesetzt wird, dass der Anbieter, der mir die Module auf mein Dach installiert, auch noch in 20 Jahren da ist, falls ich ein Problem habe, dann wirkt sich dies schon auch auf die Kaufentscheidung aus. Wenn man merkt, das die Industrie gegeneinander kämpft, dann kann sich das auch negativ auf die Nachfrage auswirken.

Zusätzlich ist es auch so, das die Solarindustrie um einen Platz im Energiemix kämpft. Um gegen Kritiker gegenzuhalten und auch Aufklärung zu betreiben, was fuer Vorteile Solar tatsächlich mit sich bringt, benötigt es eine gemeinsame Position und Stimme der Industrie.

Dies ist es, was die JF4S versucht. Wir versuchen auszubilden, aufzuklären und den Dialog zwischen den Regionen und Playern herzustellen. Man darf auch nicht vergessen, dass bestimmte Regionen gewisse nationale Wettbewerbsvorteile mitbringen. So hat sich z.b. Europa besonders dadurch hervorgetan, dass sie Technologieführer sind und es gibt andere Regionen wie z.b. Asien, die sich z.b. durch einen herstellenden Wettbewerbsvorteil auszeichnen. Dazu gehört China mit der herstellenden Industrie. Weiterhin man muss schon auch anerkennend sagen, unabhängig davon, ob der Dumpingtatbestand tatsächlich erfüllt ist oder nicht, dass das u.a. dazu geführt hat, das die PV Preise gesunken sind und das Solar wettbewerbsfähig ist - auch in Konkurrenz zu anderen Quellen der Energieproduktion.

Tetzlaff: Da muss ich nochmal nachhaken, die Preissenkung korreliert doch nicht mit der Klage, sondern die Preissenkungen sind ein schon ein länger währender Prozess ?

... die Preissenkung korreliert mit dem Scaling.


Schreiber: Ok, vielleicht nochmal zur Erklärung, die Preissenkung korreliert mit dem Scaling. Das ist das, was hier in China stattgefunden hat. Hier wurden massiv Kapazitäten aufgebaut, was natürlich auch Skaleneffekte nach sich gezogen hat.

Tetzlaff: Wie ist denn die grundsätzliche Position zu lokaler Entwicklung über einen begrenzten Zeitraum mit staatl. Unterstützung bzw. Abgrenzung nach aussen, um nicht das böse P-Wort zu verwenden.

Schreiber: JF4S glaubt an den freien Handel und auch daran, dass diese Barrieren so gering wie möglich gehalten werden sollten. Es gibt in der Industrie diese beiden sehr konträren Richtungen bzw. Ansichten. Wir sind fuer den Dialog, man kann natürlich über “local content” sprechen, was eine weichere Form des Protektionismus ist, die Frage ist allerdings, ob es sich tatsächlich mit WTO-Recht vereinbaren lässt. Das ist so z.B. im Fall Ontario nämlich nicht immer gegeben. Was wir vorschlagen, ob nun “local content” hin oder her, das Europa und China an einem Strang ziehen und eine Lösung finden sollten, die fuer beide Seiten annehmbar ist und ein gewisses Fortkommen und friedliches Weiterentwickeln der PV ermöglicht. Wir sind fuer den Dialog, bei Anerkennung der Leistungen des Anderen, des Ansprechens der Probleme, die offensichtlich bestehen und das man eine gemeinsame Lösung findet.

 



Tetzlaff: Wie ist die Mitgliederverteilung in der JF4S ?

Schreiber: Wir haben vor Ort (in China) verschiedene Verbände angesprochen, die Mitglied sind bzw. JF4S unterstützen. Das sind konkret die CNECC, CENEC und  die CCCNE. Die sind Regierungsorganisationen, also quasi die Kammern fuer die Erneuerbaren Energien.

Tetzlaff: Kurze Zwischenfrage, was ist mit CREIA ?

Schreiber: Nein, CREIA ist noch nicht dabei.

Unsere Idee ist natürlich auch, unser Netzwerk kontinuierlich

auszuweiten ...

Unsere Idee ist natürlich auch, unser Netzwerk kontinuierlich auszuweiten und auch alle relevanten Marktteilnehmer und Verbände in die Initiative zu integrieren, weil wir wie gesagt an einem Strang ziehen wollen. Das funktioniert aus unserer Sicht, wenn man einen Dialog schafft mit allen Partnern und nicht diesen einseitigen Monolog pflegt.

Tetzlaff:  Was ist mit den anderen asiatischen Ländern ?

Schreiber: Das Interesse was wir seit einigen Jahren erfahren ist sehr gross. Was die Marktteilnehmer in der Solarindustrie anbelangt, ist ein sehr grosses Interesse da international eine Rolle zu spielen und auch Verantwortung zu übernehmen sowie lokale Arbeitsplätze und Infrastruktur zu schaffen. Im Moment haben wir etwas Übergewicht bezüglich des amerikanischen Marktes. Dort haben wir auch die meisten Events. Das hat damit zu tun, dass wir die Initiative 2007 gegründet haben, zu einem Zeitpunkt als der amerikanische Markt gerade entstand. So z.B. wurden seinerzeit die “California Solar Initiative” und andere Programme ins Leben gerufen und der Markt war im Aufbruch. Das ist genau der Punkt, als JF4S in den Markt hineinging um zu helfen, diesen Diffusionsprozess zu fördern. Dafür braucht man eben Markttransparenz , Marktdaten und Dialog mit den Anderen, die diesen Prozess schon mal vollzogen haben. Daher haben wir in US insgesamt 5 lokale Events in verschiedenen Bundesstaaten. Europa kam etwas später dazu und Asien ist jetzt seit 2 Jahren im Aufbau und hier werden wir natürlich in Zukunft auch weiter ausbauen.

Asien ist jetzt seit 2 Jahren im Aufbau und hier werden wir natürlich in Zukunft

auch weiter ausbauen.

Tetzlaff: Wie ist die Verteilung der Einzelnen PV-Bereiche in der JF4S. Also wie viele sind EPC, Modulhersteller, Zellhersteller, Maschinenbauer etc. ?

Schreiber: Das Besondere an der Initiative ist, dass wir uns sehr stark an den sogenannten Downstream halten. Dies deshalb, weil dieser Bereich insbesondere in den Zeiten bis 2008, als der Markt einfach eine zu grosse Nachfrage hatte und einfach nicht genug Supply zur Verfügung stand, immer etwas vernachlässigt wurde.  Wenn ich Downstream sage, dann spreche ich von Installateuren, Projektentwicklern , Integratoren, ... also alle die das Gesicht zum Endkunden sind. Unsere Auffassung, die wir schon seit vielen Jahren vertreten ist, dass insbesondere dieser Marktmittler der wichtigste Mittler überhaupt ist. Er hat den Kontakt zum Kunden, der versteht was der Markt braucht, was fuer Herausforderungen im Endmarkt existieren. Er hilft damit, vorausgesetzt der Downstreammarktteilnehmer ist gut informiert, der zuliefernden Industrie bis hin zum Equipment, dass sie erfolgreich Produkte anbieten, die die Marktnachfrage auch bedienen. Daher unser sehr starkes Gewicht auf den Downstream. Wir bieten diesen Teilnehmen an, kostenfrei auf aktuelle Informationen z.B. via Website zuzugreifen. Natürlich unterstützen uns auch Modul- und Zellhersteller wie auch die Investoren.

Das Potential in Asien, das wir erkennen, ist in der Tat riesig.

Tetzlaff: Ein letztes Wort ?

Schreiber: Das Potential in Asien, das wir erkennen, ist in der Tat riesig. Es ist ein positives Zeichen, das nun auf die lokalen Märkte, also nicht nur in China, sondern auch in Japan, Thailand usw. gesetzt wird. Das Potential ist enorm und auch sehr vielversprechend, wenn man dann noch zusätzlich “smart-grid” und “distributed-energy” berücksichtigt.

Tetzlaff: Vielen Dank Frau Schreiber, fuer Ihre Zeit und fuer das ausführliche Interview.

 

 

 

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