Golden Sun Programm beendet

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Erneuerbare Energien

Das “Golden Sun Programm” zur Förderung der Photovoltaik in China wurde seinerzeit im Westen sehr stark beachtet. Verbanden sich doch damit die Hoffnungen, dass der chinesische Markt endlich aufbrechen wird. Und tatsächlich scheint der Erfolg der seitdem installierten Leistungen dieser Hoffnung Recht zu geben.

Dennoch gab es immer wieder innerhalb der Regierung, aber auch innerhalb der PV Industrie Kritik und Hinweise darauf, dass eine Förderung, die auf “nichtrueckzahlbare Zuschüsse” basiert, zwangsläufig Mitnahmeeffekte - wenn nicht gar kriminelle Energie - weckt. 

Gegenüber der  Oriental Morning Post《东方早报》berichteten PV Insider, dass es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Mal wurden die Foerdergelder in Empfang genommen, dann aber die Anlagen nicht gebaut, die Anlagen waren am Ende kleiner als beantragt oder die Anlage wurde gebaut, Foerdergeld kassiert und dann wieder abgebaut. Möglich war dies, weil die Förderung vor der eigentlichen Massnahme ausgezahlt wurde und die Ueberwachung der Massnahmen nur sehr lueckenhaft war.



Diese Effekte treten mehr oder minder stark immer wieder bei ähnlich gelagerten Förderungen zutage. Auch wahrend des damaligen 1,000 Daecherprogramms in Deutschland gab es seinerzeit diverse Diskussionen über die tatsächlich installierte Leistung. Immerhin wurde damals mit 70% (!) Zuschuss gefördert. Diverse Foerdermechanismen wie nichtrueckzahlbare Zuschüsse, Steuersubventionen oder gar Selbstverpflichtungen a la RPS (renewable portfolio standard - wie man es in S.Korea nutzt um die Erneuerbaren klein zu halten und um letztlich die absurden Atomexportplaene doch noch irgendwie zu realisieren) funktionieren nur mit Einschraenkungen und beduerfen eines erheblichen Aufwandes um die Einhaltung der Bedingungen zu kontrollieren. Sie sind im Gegensatz zum FIT ineffizient.
 
Das Golden Sun Programm ist nun 4 Jahre alt und wurde wie die Oriental Morning Post berichtet - jetzt beendet. Ab dem 14. Maerz wurden keine neuen Anlagen mehr genehmigt. Dies bedeutet letztlich, dass der Markt in China hinsichtlich der EE Förderung auf Basis des FIT vereinheitlicht wird.

In den letzten 3 Jahren sind die erzeugungsabhaengigen Förderungen immer weiter gesunken, aber die jährliche Förderung blieb dennoch konstant. Insgesamt wurden 2012 innerhalb des Golden Sun Projekts 1,709 MW bestätigt. Die Foerdersumme betrug ca. 1Milliarde RMB. Diese gleichbleibende Foerdersumme bei sinkenden Foerdersaetzen zeigt, dass die Foerderintensitaet schlechter als erwartet ist.



People's Daily und Shanghai Securities News berichteten, dass das NDRC (National Development and Reform Commission) folgende Tarife fuer fuer Grossanlagen in Abhängigkeit von Groesse, den  Einstrahlungsbedingungen, der örtlichen Finanzsituation und weitere diskutiert: 1) 0.75 RMB / kWh, 2) 0.85 RMB / kWh, 3) 0.95 RMB / kWh,  4) 1.00 RMB / kWh.

Ausserdem soll es fuer “distributed generation” einen Preis von 0.35 RMB/ kWh geben. Dieser liegt unter dem eigentlich erwarteten Preis von 0.4-0.6 RMB/ kWh. Der neue Benchmark-Preis entspr. somit 1.00 RMB, also eine Kürzung zu den im July 2011 kommunizierten Preis von 1,15 RMB um 1.5 Mao. Laut Aussage der Oriental Morning Post geben sich die PV Firmen “geschockt” über diese Kürzung. Einzig Tibet wird wohl mit den 1.15 RMB fortfahren.  

Der Chef Analyst Wang Haisheng der “New Energy Power Equipment Minsheng Securities” meint, dass die Basis-Foerderung fuer grosse Freiflaechenanlagen ungefähr den Erwartungen entspricht. Jedoch sind die 4 Kategorien der regionalen FIT niedriger als erwartet. Die Tarife fuer “distributes generation” fuer den Eigengebrauch  sind  “signifikant niedriger” als erwartet. Wang meint weiterhin, das diese neuen Tarif-Vorschlaege darauf hindeuten, das die Regierung überflüssige und wenig nutzbringende Förderungen eliminieren will.

Bezüglich “distributed generation” sagt Wang Haisheng, “man kann z.B. rechnen, dass man die Anlage 5 Tage fuer sich selbst und 2 Tage fuer das Netz arbeiten laesst (Selbstversorgungspreis 0.7RMB/ kWh und Einspeisungspreis 0.35 RMB/ kWh). Will man dann einen internen Gewinn  von 9% erreichen will, muessen die Kosten vom derzeit 10 RMB/ Wp auf ca. 7 RMB/ Wp sinken. Will man einen internen Gewinn von 8% erreichen will, muessen die Kosten auf 7.4 RMB/ Wp sinken. Dies bedeutet, das sich die “distributed generation” unter einem erhebliche Preisdruck befindet, dessen Lösung fuer die Industrie nicht einfach sein wird.



Nach meiner Ansicht ist sogar noch eine weiterere Kostensenkung auf der Herstellerseite nötig, damit diese die Anlage überhaupt mit einem vernünftigen Gewinn verkaufen können. Denn nur der garantiert, dass die Firma länger existiert und die Gewinne in weitere wichtige Investitionen wie z.B. R&D steckt. Das heisst die chinesische PV Industrie sieht sich zwei Herausforderungen gegenüber: Das ist zum einen der Preisdruck, der durch die Tarife vorgegeben ist und das ist aber zum anderen die interne Kostensenkung, die ohne massive Investitionen in R&D nicht zu machen ist.

Tier2 und Tier3 Unternehmen sind nicht unbedingt in der Lage und z.T. auch nicht Willens ob  der unklaren Lage der Tarife in R&D und Kostensenkung zu investieren. Einzig Tier1 Unternehmen könnten dies tatsächlich bewerkstelligen und die werden das wohl auch tun.  Das heisst, der heimische Markt wird eine weitere Preissenkungswelle entfachen, die meiner persönlichen Ansicht nach sogar noch drastischer ausfallen wird, als die Senkungen der vergangenen 2 Jahre.

Die Entwicklung des chin. Marktes, wird auf Grund des immer noch geringeren Einkommens der Bevölkerung die Preise weiter nach unten ziehen. Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass diese Module& Anlagen selbst mit exorbitanten Zöllen belegt immer noch günstiger sind, als die in EU/US produzierten.

Was ich an der Stelle noch bemerkenswert finde ist, das sich vielleicht die eine oder andere Firma in EU/US, die mit der Protektionismuskeule geliebäugelt hat oder in irgendwelchen obskuren Vereinen aktiv an der Protektionismussuppe köchelte, nun genau den gegenteiligen Effekt sehen wird. Allerdings werden diese bittere Medizin auch die anderen zu schmecken bekommen, die dies vorhergesehen haben.

 

 

 

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