Solar-Thermie China Ueberblick

Veröffentlicht in Erneuerbare Energien

Eulen nach Athen

Wenn Auslaender in China auf Kongressen ueber Solarthermie sprechen, dann ist das immer ein bisschen wie Eulen nach Athen tragen. Jeder, der sich in der Branche einigermassen auskennt, kennt die Eckdaten der chinesischen Solarthermie-Wirtschaft. Tatsaechlich sind aber weitergehende Informationen, wie z.B. Firmenranking, Produktportfolio, R&D und vieles mehr, aus dem Reich der Mitte, reines Insiderwissen. In der Tat ist es auch kompliziert, diese Daten von den Firmen selbst zu bekommen, denn die allermeisten der 3,000 chin. Unternehmen in der Solarthermie sind lediglich am Inlandsgeschaeft interessiert, warum also Frageboegen beantworten ?

 

   

Weitere Unternehmen, die zwar einen erheblichen Exportanteil haben, aber nur als OEM auftreten (duerfen), haben naturgemaess kein Interesse daran, den Mitbewerber wissen zu lassen, wer, wie und wo taetig ist, bzw. wie die eigene R&D Situation ist. Ganz aehnlich geht es natuerlich auch den nicht-chinesischen Unternehmen, die aus eben denselben Gruenden kein Interesse daran haben, dass chinesische Solarthermieprodukte in ihre “angestammten” Maerkte sickern. 

Dies fuehrt dann, ob gewollt oder nicht gewollt, zwangslaeufig zu Missverstaendnissen. Ein gutes Beispiel dafuer ist z.B. die SMEThermal 2011 in der die Idee geaeussert wurde, dass die in China dominierende  Technologie (Vakuumroehre) niemals mehr als 15-20% Marktanteil haben wird. Eine mutige Aussage, bedenkt man, dass die “Distribution of the total installed capacity in operation by collector typ”⁠1 nach dem neuesten ESTIF Bericht, die Vacuum-Roehre bereits 2009 bei 56% lag. 

 

   

Zu dieser gern und haeufig gesehenen Fehleinschaetzung ueber das tatsaechliche Volumen der chinesischen Thermieindustrie und deren Bedeutung weltweit, gesellt sich nicht selten auch die verbreitete Ansicht, dass die chinesische Industrie nicht dazu in der Lage sei, die in EU und US geforderte Qualitaet zu liefern. So aeusserte beipielsweise Ralf Köbbemann-Rengers ( R&D dept, Bosch Thermotechnik) das er “is convinced that there is a segment for better quality collectors in China, even if it is below 1% of the total volume: 'We have had the first successful experiences mainly in large-scale applications. But we have to adapt our products’.” Was man dann auch so interpretieren kann, dass es mit der Qualitaet der Produkte in China nicht so weit her sei. (SMEThermal)⁠2

Dem ist natuerlich nicht so. Dennoch gibt es bei einer Zahl von ca. 3,000 Unternehmen auch eine gehoerige Portion schwarzer Schafe. Diese schwarzen Schafe sind es auch, die auf der Agenda der chinesischen Solar-Thermie-Industrie ganz oben stehen. So gab es beispielsweise eine groessere Diskussion in der Gesellschaft bis hinein ins staatliche Fernsehen CCTV, ueber die Qualitaet einiger Firmen aus dem Haining Cluster, in dessen Folge diese Unternehmen ihre Pforten dichtmachen mussten. So auesserte sich auch Jia Jiwen (int. Market Manager) von Tsinghua “Regarding ‘Made in China’, Chinas products allready changed. Also the government spent more attention to this issue. Standardization is needed, but many companies focus only on short benefits. In fact some smaller companies with crap products loosed the chinese market and tried to sell abroad.” In der Tat, ein beunruhigender Gedanke und kein Wunder, das gerade die Giganten in der chinesischen Thermieindustrie  ihre Reputation auf dem Spiel stehen sehen.

Auch umgekehrt gibt es bei den Chinesen zahlreiche Vorurteile und Legenden bezueglich der EU/US Thermieindustrie. Auch hier wird haeufig die Komplexizitaet der Maerkte ausserhalb Chinas unterschaetzt. Nur einigen wenigen Unternehmen ist es voll bewusst, das sie allein mit einem Kernprodukt - dem Kollektor - auf diesen Maerkten keine Chance haben. In China, wo die SWH (Einheiten) dominieren koennen die Firmen durchaus das gesamte Portfolio abdecken in EU/US in der Regel nicht. Die Probleme gehen weiter bei der Planung der Vertriebsstruktur und spaeter dem gesamten Bereich der Wartung.  Gleichzeitig mussten einige chinessiche Firmen ihre zu hohen Erwartungen bezueglich Liefertreue und Qualitate an EU/US-Firmen deutlich nach unten korrigieren. Die Idee, das es auch dort schwarze Schafe geben koennte, war dem einen oder anderen neu - mit entsprechenden Folgen.

Hinzu kommt, das es der EU/US Solarthermie zur Zeit nicht besonders gut geht, obwohl dies eigentlich im Hinblick auf die politischen Absichtserklaerungen in vielen Laendern ganz anders sein muesste. 

Zur selben Zeit waechst der chinesische Markt mit erstaunlichen Zahlen, Jia Jiwen : “This year we sold up to now 36% more than last year in the same period, but the EU/US market is still the same as last year what means not good. Therefore we develope the markets by ourself for example in Africa and South America. We have several branches in this regions and our exclusiv agents offer a mix of 40% OEM and 60% Tsinghua Brand to the customers.”  (Agents)⁠3

Solarthermie ist laengst ein Internationales Geschaeft geworden, doch selbst den Protagonisten ist nur bedingt klar, welche Bedeutung ihnen bei der Transition zu 100% RE tatsaechlich zukommt. Somit muenden all diese genannten Themen folgerichtig in den Moeglichkeiten einer Kooperation von Ost und West. 

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1 Solar Heat Worldwide

Markets and Contribution to the Energy Supply 2009 EDITION 2011, S11, Figure 4

2 Can Europe Compete in the Global Solar Thermal Market?By Baerbel Epp, Solrico , March 21, 2011 , Renewable Energy World

3 http://www.thsolar.com/templates/T_Introduction_en/index.aspx?nodeid=74


Die richtige Bedeutung

Stephan Singer (Director Global Energy Policy, WWF) redete 2012 in Beijing auf der Solar Thermal China von der notwendigen Transition der weltweiten Energiewirtschaft zu 100 % Erneuerbare. Doch fuer ihn ist auch klar das “nuclear Energy is necessarily not a part of the Solution.” Ein fuer chinesische Ohren noch unvertraute Idee, denn China hat nicht das Luxusproblem wie Deutschland, dass es Energie exportiert, sondern es fehlt an etlichen Stellen eben diese kontinuierliche Energieversorgung, um die man die westlichen Laender durchaus beneidet.

 
Stephan Singer (WWF)

Durchaus ein Teil der Loesung, wenn nicht sogar der groesste Beitrag zur Loesung des Energieproblems (und nicht nur Chinas) kommt der Solar Thermie zu. Die Solarthermie-Industrie traegt dann auch wie eine Monstranz die ESTIF Grafik ueber die “Total capacity in operation [GWel], [GWth] 2010 and annually energy generated [TWhel], [TWhth]”⁠1 vor sich her. Nach der Grafik kommt der Solarthermie eine 5x groessere Bedeutung als der Photovoltaik zu. Betrachtet man dagegen das Image und die Aufmerksamkeit gegenueber der Solarthermie im Vergleich zur Photovoltaik oder der Windindustrie, dann liegen dazwischen Welten. Auch in China beklagen die Firmen, dass das Gov. ihnen die gleiche Aufmerksamkeit zuwenden sollte, wie z.B. der PV. Und tatsaechlich scheint sich in China diesbezueglich etwas zu tun.

Zu recht beklagt die Solarthermie Industrie, nicht zuletzt auf dem Forum der SolarThermalChina, dass der Solarthermie nicht genuegend Aufmerksamkeit zukommt. Diese Aufmerksamkeitsluecke gibt es auch in China, wenn auch nicht in ganz so ausgepraegter Form wie in EU/US. Die Gruende warum das in China so ist, sind eher historisch begruendet, denn dort spielt die Solarthermie bereits seit 30 Jahren eine dominierende Rolle, nicht zuletzt auch im Stadtbild. 

Photovoltaik wurde erst 2005 ein Thema in China und eroeffnete, ganz im Gegensatz zur  chinesischen Thermie, schnell hohe Umsaetze und Gewinne zu generieren. Da diese Gewinne fast aussschliesslich im Ausland warteten, hatte das Business ob dieses Hauchs der “grossen weiten Welt” einen zusaetzlichen Sexappeal. PV und auch Wind schmueckten sich mit allerlei unsinnigen Attributen wie z.B. Green Industry, Clean Industry und versuchte sich ein Gadget-Image aufzubauen. Doch weder Solarthermie, Photovoltaik noch Wind sind ein iPhone6. Sie sind -ganz unsexy- ein natuerlicher Bestandteil der Energiewirtschaft.

Diese Erkenntnis setzt sich in China schon laengere Zeit durch. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Thema viele zu ernst ist, als das man es wie ein Gadget auf der Tagesordnung hin- und herschieben koennte. 

Die Entwicklung der Solarthermie in China ging einen voellig anderen Weg als beispielsweise in Deutschland oder den USA. Grundsaetzlich Praemisse fuer das Gov. beim (Neu)Start der Thermie 1978 in China war die Massenfertigung und die massenhafte Verfuegbarmachung der Solarthermie fuer die Bevoelkerung. Die wichtigste Praemisse war “like a light bulb”. Was u.a. hiess, den Prozess bezueglich Ausstoss und Kosten zu optimieren. Heute liegen die Fertigungs-Kosten einer typischen Roehre bei ca. 2USD und werden taeglich tausendfach produziert. Die Ausgangsbedingungen zur gleichen Zeit in Europa waren ganz andere und die Protagonisten der ersten Stunde mussten zuerst zusehen, wie sie ueberhaupt eine Finanzierung fuer ihr Vorhaben hinbekamen an Massenfertigung dachte 1978 in Deutschland noch niemand. Der Kollektor traegt so bis heute in Deutschland das Gadget-Image vor ich her: “Nice to have, but not necessarily needed.”

In China ist wie der Kernbestandteil der Solarthermie die Vakuum-Roehre. SCP und besonders die am weitesten verbreitete Power-Through setzen auf ebendiese Roehre. So war es im SolarThermalChina Forum keine Frage, das SolarThermie und CSP zusammengehoeren. Die Chinesen haben seit jeher ihre Solarthermie in folgende Klassen ein:

Low temp. 低温用领域 Domestic hot water 生活用热 40°C~ 80°C
Medium temp. 中温 Process heat 工业用热 80°C ~ 250°C
High temp. 高温 Solar thermal power 太阳热发电 300°C ~800°C

 
 

 

Das Konzept mit einer eierlegenden Wollmichsau, z.B. dem Flachkollektor, alle Aufgaben in der Solarthermie zu erfuellen, stoesst in China auf Unverstaendtnis. Insbesondere deshalb, weil der Flachkollektor gerade hinsichtlich neuer Anforderungen in der Industrie, der Klimatisierung und platzkritischen Anwendungen von ehemals 45% (1999) auf mittlerweile 4% (2012) Kollektoranteil (Tendenz abnehmend) geschrumpft ist. Eine unaufgeregte und Anwendungsorientierte Einordnung wuerde insbesondere der Solarthermie in EU/US helfen. 

So ist auch die Anwendung von “unglazed collectors” fuer industrielle Vorwaermung z.B. in der Textil-Industrie oder ihrem angestammten Bereich des PoolHeatings durchaus berechtigt. Die Firma US Firma FAFCO stoesst hier in eine attraktive Nische im Low-Temp Bereich, wobei ihnen zugute kommt, das sie bereits seit 20 Jahren Speicher nach China liefern.

 
Freeman A. Ford (FAFCO)

So ging Yin Zhiqiang, der Vater der chinesischen Solarthermie und letztlich Erfinder der Sydney-Roehre, in seinem Vortrag auf die drei wesentlichen Anwendungenfelder ein. Im Vordergrund stand auch in diesem Vortrag, das die Industrie laengst auf einem Niveau angekommensein sollte, das eine vertikale Integration notwendig macht. Bezueglich der Low und Medium-Temp Anwendungen fuehrte er aus: “Solar water heater industry has realized commercialization and the Industry chain has been developed …” und bezueglich CSP “ Solar thermal power generation in China started compare to the developed countries. Human and material resources need to have a large investment. But at the end of the day our work and the technological innovation will affect the world!”

 
Prof. Yin Zhiqiang

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Solar Heat Worldwide

Markets and Contribution to the Energy Supply 2009 EDITION 2011, S7, Figure 2


Von der PV Industrie lernen - Integration und Scheidung

Auch wenn es der chinesischen Solarthermie vergleichsweise gut geht und man wegen des Heimatmarktes auch 2012 auf zweistellige Zuwachsraten kommt, so heisst das noch lange nicht, dass man entscheidende Punkte nicht verbessern koennte. Neben der bereits angesprochenen Verbesserung des Images und der Erlangung groesserer Aufmerksamkeit in der Bevoelkerung, sind es auch strukturelle Themen, die auf der Agenda ganz oben stehen sollten. Und diesbezueglich kann man von der ueberaus erfolgreichen PV Industrie eine Menge lernen.

Integration

Der wichtigste Punkt wurde bereits angesprochen, das ist die vertikal Integration. Ein wesentlicher Vorteil der chin. PV Wirtschaft ist genau diese breit aufgestellte vertikale Integration. Diese hat auch zu der vom Gov. gewuenschten Konzentration gefuehrt und damit den Weg fuer ein sehr hohes Qualitaetslevel frei gemacht. Naturgemaess geht ein solcher Prozess nur mit erheblichen Investitionen einher.

Die Solarthermie in China investiert zwar in erheblichen Umfang, jedoch vor allem in der Erweiterung der bereits bestehenden Produktion. Entscheidend ist aber, analog zu der PV Industrie, das Portfolio im Up und Down-Stream zu ergaenzen. (Ein Prozess, der sich im Uebrigen ganz genauso gerade in der chin. Windindustrie abzeichnet.)

Waehrend sich die vertikale Integration im Produktionssektor (vorerst) vor allem in China ablaufen duerfte, spielt die Integration bis hin zu EPC eine immer groessere Rolle. Wie schon erwaehnt ist die Gewinnung und der Ausbau weiterer Maerkte nicht ohne die lokalen Partner moeglich. Ebenfalls eine Lehre, die man bei der Betrachtung der Entwicklung der PV-Industrie in den letzten 5 Jahren ziehen muss. 

Das nicht selten anzutreffende Konzept, lediglich ueber den Preis und mit Cowboy-Methoden einen Markt zu gewinnen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, wie man vor 4-5 Jahren auch in der PV-Industrie beobachten konnte. Die erfolgreichen chin. PV-Unternehmen wie Trina, Yingli oder Suntech sind multinational aufgestellt und tragen ihre Merkmale auch entsprechend zu Markte. Dazu gehoeren auch internationales Marketing und Branding. Bei beidem steht die chin. Solarthermie erst am Anfang.

Unternehmen wie Sunrain, Linuo, Tsinghua oder Sunda sind bereits auf einem guten Weg und Linuo kann auf eine langjaehrige und erfolgreiche Partnerschaft zurueckblicken. Immerhin haben Linuo-Produkte damit auch den groessten Markanteil in Europa im Roehrenbereich.

 
Rohr-Glasschmelze Linuo

Was (vertikale) Integration nicht bedeutet und was evtl. zu erheblichen Problemen fuehren kann, dass ist das Aufblaehen eines Unternehmens zum Gemischtwarenladen, wie es z.B. Conergy versucht hat. Moeglicherweise die wichtigste Lehre aus der PV Industrie. Diese Gefahr droht allerdings weniger den chinesischen Unternehmen und mehr der EU/US SolarThermie-Industrie.

Scheidung

Der PV-Industrie ist aus verschiedenen Gruenden gelungen, sich nicht von konkurrierenden Energiewirtschaftsunternehmen vereinnahmen zu lassen. Versuche der Fossil Industrie hier Fuss zu fassen gab und gibt es zahlreiche, doch durch die vermeintliche Naehe zur Semi-Industrie blieb die PV fuer lange Zeit uninteressant. Nun ist die PV-Industrie aber kein Teil der Semi-Industrie, sondern ein Bestandteil der Energiewirtschaft. Sie tritt nicht mit der Semi-Industrie in den Wettbewerb, sondern mit anderen Stromanbietern. Diese Fehleinschaetzung der Fossil&Atom-Industrie hat letztlich dazu gefuehrt, dass sich unterhalb deren Radars eine emanzipierte Industrie entwickelt hat. Selbstredend, dass die Umsaetze, die bei den RE im Moment erwirtschaftet werden fuer die internationale Fossil&Atom-Industrie lediglich Peanuts sind. Dennoch fliegt sie nicht mehr geschuetzt unter dem Radar und hat gerade bezueglich Astroturfing die ersten Bekanntschaften mit ihren neuen alten Mitbewerber machen duerfen, von dem die Windindustrie schon geraume Zeit ganze Arien singen kann.

Der PV-Industrie ist es gelungen, sich weitgehend unbemerkt und unbelastet zu entwickeln. Die Solarthermie in Europa und speziell in Deutschland hatte diese Chance auch, doch sie hat sie nicht genutzt. Man erinnere, als 1982 die Kohl/Genscher Regierung in Deutschland wegen des sinkenden (sic!) Oelpreises die ST-Foerderung kassierte, verschwanden etliche Firmen von der Bildflaeche und zwar genau die, die im wesentlichen in ihrem Portfolio Heizsysteme hatten. Von den bis dato 150 Firmen blieben 10 uebrig. Die Heizungsanbieter mit angehaengtem Solar-Greenwash zogen sich vollstaendig aus der Solarthermie zurueck. Die Solarthermie hatte den entscheidenden Fehler gemacht, sich mit dem Hauptmitbewerber im Bett einzufinden. Die Heizungshersteller sind wegen des Oelschocks 1980 in dieses unkomfortable Bett gekrochen, da sie ihre Felle wegschwimmen sahen und keine Frage auf der Wunschliste der Solarthermiker in dieserr frivolen Gemeinschaft stand natuerlich Investitionen in die Produktion, des Marketings und der Internationalisierung. Andreas Wagner zu diesem Gau der Solarthermie : »Die, die auf das schnelle Geschäft aus waren, haben auf die breite Zielgruppe gesetzt. In den Achtzigern blieben nur die Idealisten übrig. Die haben wir bedient.«.

Die Heizungsindustrie ist eine konkurrierende Industrie aus dem Fossil&Atom-Sektor zur Solarthermie. Haette sich die PV-Industrie auf die gleiche Weise vereinnahmen lassen, wuerde es sie in Europa heute gar nicht geben. Tatsaechlich ist auch im Bereich Raumheizung (und Warmwasser sowieso) eine 100%ige Versorgung zusammen mit den Passivhaus-Technologien, durch RE ohne Probleme moeglich. Doch dann steht in kollaborierenden Unternehmen der Kessel gegen den Kollektor. Das Beispiel von 1982 zeigt, wie sich die Industrien im Zweifelsfalle entscheiden wuerden. Erfolgreichen Solarthermie-Unternehmen wie Wagner, Solvis oder Ritter ist es gelungen, sich aus diesem Kuhhandel rauszuhalten bzw. haben im Gegenteil eigene Zu-Heizungen unter der Praemisse des Solarprimats in ihr Portfolio aufgenommen.

In China ist die Lage fuer die Solarthermie-Unternehmen weitaus komfortabler, denn suedlich des Yangtse gibt es ueberhaupt keine Raumheizungen. Das ist Anbetracht der z.T harschen Winter und vor allem der erhoehten Luftfeuchtigkeit fuer Manchen eine Herausforderung. Entsprechend war es lange Zeit keine Frage, dass Warmwasser entweder elektrisch, was bei chin. Strompreisen ein teures Vergnuegen ist, zu erwaermen oder eben einen SWH zu installieren. Betrachtet man die Dachlandschaften im Delta sieht man auch, wohin diese Wahl gefuehrt hat. Doch die Ansprueche wuchsen und so manche Firma hat sich auf seinen Erfolgen ausgeruht. So haetten immer mehr Menschen im Delta gerne ein Raumheizung bzw. gleich ganz eine solare Klimatisierung. Doch dies bedeutet auch eine technlogisch neue Stufe und die chinesische Solarthermie Industrie hat die Klimatisierung und Raumheizungs zu lange Zeit unbeachtet gelassen. Dazu kommt, dass um diesen Schritt zu gehen, eine vertikale Integration von grossem Vorteil ist, auch hier ist noch nicht der wuenschenswerte Zustand erreicht. Vorteilhaft fuer die chinesische Industrie im Bereich solare Klimatisierung ist zweifellos die Vakuumroehren-Technologie. Diese ist ob ihres rel. hohen Temperaturniveaus geradzu praedestiniert fuer dies Aufgabe.

Dachlandschaften  

 



Wie gehts weiter

Die chinesische Solarthermie ist auf einem guten Weg. Die vor ihr liegenden Aufgaben liegen klar auf der Hand und die naechste Meilensteine wie vertikale Integration, Marketing&Branding, Qualitaetssicherung und so weiter, sind bereits in Arbeit. 

Es ist immer schwierig (und besonders in China) eine Prognose abzugeben. Ueblicherweise bedient man sich aktueller Trends, korreliert diese mit weiteren gegenlaeufigen oder verstaerkenden Trends und spinnt so den Faden in die Zukunft weiter. Wenn man Glueck hat, finden sich Analogien, die das Vertrauen in solche Prognosen verstaerken. Voellig selbstverstaendtlich, dass solche Prognosen mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet sind. Dennoch ist es von Vorteil diese Prognosen regelmaessig vorzunehmen, denn es gibt einem die Moeglichkeit existierende Plaene zu justieren oder auch alte Huete ueber Bord zu werfen.

So hatte Yin Zhiqiang 2007 in einem Interview fuer SWE bereits einige Entwicklungen in China vorweggenommen. Manche dieser Entwicklungen sind vollzogen, manche sind im Gange oder andere zeichnen sich deutlicher ab als noch 2007:

by 2010

1  solar water heater distribution ranges from small towns to large cities

2 expanding market for combined systems (hot water and space heating)

3 new product development, large scale production, improved quality control systems

4 pilot plants for concentrating solar power (CSP)

by 2020

5 500 million m2 of solar collectors in operation, 370 m2 / 1,000 inhabitants

6 realisation of solar air conditioning as well as applications in industry and agriculture

7 increasing export of solar thermal technology

8 CSP on the way to becoming a key technology

by 2030

9 900 million m2 of solar collectors in operation, 640 m2 / 1,000 inhabitants

10 solar systems for hot water, space heating and air conditioning

11 large scale series production of solar thermal components

12 solar thermal applications in industry and agriculture

13 several CSP plants constructed

by 2050

14 1.5 billion collectors in operation, 1 m2 / person

15 industry and agricultural applications now mature

16 CSP plants make an important contribution to electricity generation

Gerade Punkt 7 hat es in sich und es scheint, das dieses Datum vorziehbar wird. Jiao Jiwen von Tsinghua Solar geht in seinem Vortrag auf der SolarThermalChina sehr dezidiert auf diesen Punkt ein. Er vergleicht die chin. Thermieindustrie mit der deutschen Autoindustrie. Jiao meint, “es ist voellig klar, dass wenn alle oder zumindest viele Chinesen gerne ein deutsches Auto fahren wuerden, da deutsche Autos nunmal mit die Besten sind, dann ist es praktisch unmoeglich, diese Produktion in Deutschland zu belassen. Folgerichtig gibt es ja auch Shanghai-Volkswagen und weitere. Die Autos werden fuer den chinesischen Markt in China mit deutscher Technologie hergestellt.

Jiao Jiwen (Tsinghua)  

Die chinesische Solar-Thermie-Industrie verfuegt ueber die fortgeschrittenste Technologie weltweit und somit erzeugt sie eine Nachfrage, die sie unmoeglich von China aus befriedigen kann. Das heisst Tsinghua und auch andere gehen daran, ihre Technologie (und nicht nur die Produkte) “Exportfaehig” zu machen. Aehnlich wie in der Autoindustrie moechte Tsinghua seine Technologie und seine Werke in den Verbraucherlaendern bei lokalen Partnern lizensieren und dort produzieren lassen.” 

Yin hat den Start fuer diesen Technologieexport auf 2020 verortet, aber Tsinghua und Linuo sehen die Zeit bereits jetzt gekommen. Somit steht Tsinghua nach Jiao Jiwen unter anderem ab sofort bereit zum:

  • Technology transfer
  • Offer high auto-production line 
  • Offer new generation products 
  • Special research programs for solar thermal application standard research

Keine Frage, die Verfuegbarmachung der chinesischen Technologie in Form von Turn-Key-Solutions wird die Solar-Thermie in den naechsten Jahren nachhaltig und zum Besseren veraendern. Gerade den EU/US Unternehmen stehen mit dieser Option neue Moeglichkeiten offen, die sie endgueltig von der Abhaengigkeit von Endkundenfoerderungen befreien koennten. Die Industrie bekommt damit den Schluessel in die Hand, massenhaft den Markt zu durchdringen und die Energiewende zu 100% auch auf der thermischen Verbraucherseite mittels Solarthermie und anderer RE einzuleiten.