82C, mrd -45, Verl. 2.0x, Bl. -1

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotofalter

Mit Artikeln und gar Buechern ueber den Weissabgleich in Digitalkameras koennten heute ganze Bibliotheken gefuellt werden. Dabei ist dieses Thema gerade mit der heutigen Digitaltechnik und insbesondere in der RAW-Verarbeitung gar nicht mehr sooo kompliziert. Also zumindest nicht mehr in dem Umfang, wie man dies noch in den vergangenen analogen Tagen zu beachten hatte.

Dies ist nun der zweite Falter-Artikel. Wie schon im ersten geschrieben, “Bei der neuerlichen Lektüre einiger Foto-Falter ist mir aufgefallen, dass die Artikel gelegentlich heute noch aktuell sind. Zum Teil unterhalten sie auch auf eine ganz spezielle Art und Weise.” Und zu neuen Erkenntnissen kommt man zuweilen auch, bzw. erlangt eine neue Sicht auf bestimmte Dinge (der dritte Falter-Artikel wird es diesbezueglich in sich haben !). In naher Zukunft werden also weitere Falter-Artikel folgen ! 

Hatte man “damals” den falschen Farbfilm in der Kamera … dann wars das. Da halfen auch die trickreichsten Dunkelkammer-Stunts nichts (zumindest bei Diafilmen nicht). Und es gab im Wesentlichen nur zwei Arten Farbfilme, den Tageslichtfilm und den Kunstlichtfilm. Beide waren auf genau je eine Normsituation hin optimiert. Wich die tatsaechliche Lichtsituation vom Eich- bzw. Idealwert ab, dann kamen die Filter ins Spiel. Wollte ich also einen Sonnenaufgang fotografieren und hatte einen Tageslichtfilm im Apparat, dann war der Blaufilter unverzichtbar. Je nach dem, um wie viele Mired ich das Spektrum nach links verschieben wollte, musste ich dann noch die Intensitaet waehlen … Ohne Filter ging es zu Analogzeiten nicht.

Wer ausschliesslich die Digitaltechnik kennt, der kann nicht mal im Ansatz erahnen, was diese Filterei fuer einen Rattenschwanz nach sich zog. Allein ueber die Belichtungskorrekturen konnte man seinerzeit beliebig lange schwadronieren. Und die Mired-Werte + Filternummer und Blende der wichtigsten 100 Filter sollte man im Schlaf aufsagen koennen … mindestens. Und natuerlich taugten NUR die Filter von Hersteller A etwas und die billigen von B oder die sauteuren von C waren einfach nur Crap. OK … manche Dinge aendern sich wohl nie.

Wir leben weissabgleichtechnisch gesehen im Paradies … also fast. Es gibt naemlich doch Situationen, in denen man die Farbtemperaturen der einzelnen Lichtquellen gerne wuesste, um schon bei der Aufnahme gegenzusteuern und/oder um Photoshop-Orgien zu vermeiden. Ein sehr typischer Fall ist z.B. die Interieur-Fotografie. Schaut man in Magazine wie “Country Living”, “Countryside” oder “LandLove”, dann ahnt man meistens nicht, wie kompliziert es tatsaechlich ist, solche Bilder zu arrangieren. So hab ich z.B. Blitzlicht und Tageslicht und gar nicht selten leuchten auch die Luester in voller Pracht. Die Blitze steuert man dann mit Folien und den Leuchter schaltet man oft tatsaechlich ueber einen Photoshop-Layer an bzw. aus. Eine ueberschaubare Situation, die man aus Erfahrungen einschaetzen kann. Aber kommt man unvorbereitet in eine solche Situation, dann ist guter Rat teuer. Und das im ganz woertlichen Sinne. Entweder ich brauche unendlich laaaaange - was natuerlich kostet oder ich kauf mir ein Color Meter. Der kostet auch und zwar nicht zu knapp. Wenn ich fuer “Country House&Garden” arbeiten wuerde, dann haette ich natuerlich einen.

Unter bestimmten Umstaenden fluechte ich mich bei voellig vergeigten Lichtsituationen, z.B. beim Ballett, in die B&W-Konversion. Und gerade Buehnenbilder gewinnen dadurch in den meisten Faellen. Aber wenn ich in einer Halbleiterfabrikation (diverse exotische Lichtquellen, gruener Fussboden, verschiedenweisse Maschinen …) fotografieren soll, dann kann ich dem Auftraggeber spaeter schlecht B&W praesentieren und dem was von Kunst erzaehlen. Mindestens eine Graukarte (besser zwei oder mehr) geschickt platziert, kann einem da den Hintern retten.

Eine weitere Methode fand ich im Foto-Falter vom Juni 1956. Man nimmt einfach seinen Belichtungsmesser (den man sowieso haben sollte) und misst mit abwechselnd einem Blau- und einem Rotfilter davor, die einzelnen Lichtquellen und das Motiv selbst aus. Dies gestattet einem zwar keine exakte quantitative Aussage ueber die Farbtemperatur, aber allein die qualitative Aussage reicht schon voellig aus, z.B. um zu entscheiden, was fuer Folie(n) ich vor meine Blitz(e) schnalle … oder auch, auf was fuer Bilder ich besser verzichte und mich daher auf andere Bilder konzentrieren sollte.

 

Im Artikel wird auch auf Vorsatzgeraete zu vorhandenen Belichtungsmessern verwiesen. Es ergibt leider keinen Sinn, jetzt schnell auf einer Fotoboerse, z.B. einen Werralux mit Colortestervorsatz fuer 1.50 Mark zu kaufen. Diese Belichtungsmesser hatten meistens einen Selensensor und wenn der nicht die letzten 50 Jahre kuehl, dunkel und am besten im Vakuum gelagert wurde, dann duerfte der heute nur noch Unsinn anzeigen. Der Vorteil von Zeigerinstrumenten ist lediglich, dass man sofort sieht und versteht. Bei den heutigen Digitalanzeigen muss man im Kopf noch einen Schritt mehr machen. Aber das ist ja ein Klax, wenn man bedenkt, was man frueher alles so im Kopf haben musste … ich sag nur Wratten 82C/ Miredshift -45/ Verlaengerung 2.0x/ Blende -1.

 


Weitere Infos:

http://www.piart-plus.de/foto/vorles/geb.htm
http://www.stefan-wissmueller.de/fotoschule/mischlicht

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