Fotomarathon ... besser nicht.

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Fotografie

Anlässlich einer Polemik auf Photoscala, hier mal meine Meinung zu Fotomarathons.

Der Rant auf Photoscala spricht mir (ein bisschen) aus dem Herzen. Wobei ich ja bei solchen Sachen, die mich sonst nicht weiter berühren, eher nach der Devise verfahre: »Macht mal! – Leben und leben lassen. Ich geh ja auch nicht auf Mittelaltermärkte – den »Furunkeln am Arsch der Menschheit«. Nach meinem Geschmack kommen Fotomarathons den Furunkeln schon sehr nahe.

Allerdings frage ich mich schon, was für manche hinter dem Zwang steckt, eine Bildende Kunst in ein gruppendynamisches Event-Korsett zu pressen. Man stelle sich vor, hunderte Maler stellen die Zeil mit ihren Staffeleien zu, oder gleich viele Bildhauer erschaffen ein Geräuschinferno vor dem Reichstag, oder noch besser, in München findet ein Architekturflashmob statt. Das ist so albern, wie es sich liest. ...

Der Grund ist vermutlich, dass es den meisten Fotoapparatebesitzern ziemlich wumpe ist, was sie eigentlich »bilden« bzw. »gestalten« und im Vordergrund die techn. Faszination für den Prozess steht. Also die gleiche Motivation, warum sich Leute einen 4WD kaufen und dann in eine abgesperrten Karree »Off-Road« ihre Runden drehen. Männer mit ihren schwarzen Kisten mit Knöppen dran... Was nicht heisst, dass nur Maenner an Marathons teilnehmen - ganz im Gegenteil. Doch die soziale Komponente entscheidet. Hier geht es - neben dem Gebalze - eigentlich um Sport. Nimmt man das so hin, dann gibt es dagegen nichts einzuwenden. Geht hin und habt Spass. Nur mit "Bilder schaffen", hat das nix zu tun. 

Kein Malerflashmob, sondern Schule outdoor.

Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass eine zu große Gemeinschaft der  Bildenden Kunst wie der »künstlerischen Fotografie«, zu der man übrigens auch  »Dokumentar-, Reportage-, Porträt-, Industrie-, Architektur-, Werbe-, Mode-, Akt-, Natur- und Landschafts-, Genre- und Experimentelle Fotografie" zählt [1], eher abträglich ist. ZuvielGruppendynamik steht einem kreativen und damit sehr individualistischen Schaffensprozess grundsätzlich diametral entgegen. Oder um es prägnant auszudrücken – viele Köche verderben den Brei.

24h Fotomarathon in Taipei 2013

Jedoch würden 99% der Fotomarathonteilnehmer es vehement zurueckweisen, wenn man ihr »Werk« nicht als solches werten würde, sondern in der Sport-Analogie eher als Muskelkater versteht. Kunst bzw. das fertige Bild dient den Fotoläufern dennoch gerne als Feigenblatt (gegenüber Mutti), wenn man einen Grund sucht, eine weitere finanzielle Ausgabe irgendwie zu rechtfertigen. Und darum geht es am Ende auch. Keiner der nennenswerten FM kommt heute ohne eine ordentliche Sponsorenliste mit den üblichen Verdächtigen aus.

Fazit: Besser alleine oder mit wenigen – dann wird das Bild wichtig und nicht das Gedöns.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstlerische_Fotografie

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