034 Raumzeit - Interview mit HGEsch

Geschrieben von Sven Tetzlaff am . Veröffentlicht in Podcast

Es gibt vermutlich keinen Fotografen, der nicht schonmal versucht hat, seine eigenen Bilder Fotografien aus vergangenen Zeiten gegen- überzustellen. Ich behaupte sogar, das ist eine entscheidende Phase in der fotografischen Sozialisation. Irgendwann lässt das jedoch nach, wohl auch um nicht in den Verdacht der Phantasielosigkeit zu geraten. Dabei ist der Versuch, ein Bild aus vergangener Zeit 1:1 nachzubauen, keine reine Lehrveranstaltung, sondern darin steckt immer auch eine eigene Interpretation des Jetzt. Liegt genügend Zeit zwischen den Bildern, z.B. 80 Jahre, dann ist es nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch eine Dokumentation der Zeitgeschichte.

Der Flugpionier Wulf-Diether Graf zu Castell Rüdenhausen hat von 1933 bis 1936 in China die Fluglinien der Lufthansatochter Eurasia aufgebaut und auch als Erster beflogen. Auf diese Weise entstanden nicht nur historisch interessante Zeitdokumente, sondern jede Menge wundervoller Bilder aus einer untergegangenen Welt. 1936 brachte er das Buch mit dem Titel ›Chinaflug‹ heraus, das immer wieder aufgelegt wurde.

Der für seine Chinakenntnis (›Cities Unknown‹) bekannte Fotograf Hans-Georg Esch nahm sich nicht des gesamten Œuvre Rüdenhausens an, sondern ergänzte die historischen Bilder mit den urbanen Bildern des Heute. Dabei ging er auch technisch neue Wege. Herausgekommen ist eine Neuinterpretation von ›Chinaflug‹ auf moderne Weise. Ich traf Hans-Georg Esch in Shanghai und habe ihn zu diesem Projekt befragt. (Siehe auch Fotoespresso 01/2016)




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